Hiddensee war zu DDR-Zeiten mal ein Sehnsuchtsort der Freiheit: „Punks und Parteibonzen, Nackte am Strand und die Kulturelite trafen hier auf engstem Raum aufeinander, erklärt in der „Berliner Zeitung“ [Bezahlschranke]. Die Regisseurin Annekatrin Hendel erlebte die Insel in den 1980er-Jahren gar als „Spaßparadies“, in dem die Regeln der DDR nicht galten. Heute startet ihr Dokumentarfilm „Hiddensee“ im Kino. „Ursprünglich hatte ich nur die DDR-Zeit im Kopf. Um die Dinge nicht aus ihren Zusammenhängen zu reißen, wollte ich aber den Zeitrahmen größer fassen. Schließlich ist die Teilung Deutschlands ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Also zurück bis in die 1920er-Jahre, in die Stummfilmzeit, zu Asta Nielsen, die auch hierherum – zurück in eine Zeit, in der der deutsche Film international führend war. So war klar, dass der Film schwarz-weiß sein muss. Auch weil sich so die Zeiten ineinanderschieben können: Biografien, Geschichte, Gegenwart und diese ganz besondere Natur der Insel. Und dann gibt es die Arbeiten der Inselfotografen, oder die Wahnsinnsfotografien von Peter Brune aus den 1980er-Jahren. Ein echter Schatz in Schwarz-Weiß.“ Dazwischen werden Tote in Puppenspielszenen wiedererweckt. „Karl Huck hat dort ein fantastisches Figurentheater, und mir war von Anfang an klar, dass seine Kunst des Marionettenspiels Teil des Films werden würde“, erzählt Handel im Interview. „Ich bin ja in meinem früheren Leben leidenschaftliche Bühnenbildnerin gewesen und brauchte für diesen fiktionalen Teil eine eigene Form.“ Mehr als 30 Filme hat Hendel inzwischen produziert. „Das Paradoxe ist: Unsere Filme finden später ihr Publikum – im Kino, auf Festivals, im Stream, im Fernsehen. Aber bis sie entstehen können, muss man manchmal ziemlich kämpfen. Beim NDR kam auf ,Hiddensee’ sehr schnell die Absage: ,Haben wir schon, brauchen wir nicht.’ Dabei gibt es zwar Reportagen über Hiddensee, aber keinen Kinodokumentarfilm. Also musste der kleine RBB einspringen – für einen Film über eine Ostseeinsel. Deshalb nenne ich den NDR inzwischen den Nordwestdeutschen Rundfunk.“
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