28.05.26, 22:52
In der alten Bundesrepublik war München einst mal Filmhauptstadt. Das ist jetzt wohl endgültig vorbei, fürchtet Caspar Busse in der „Süddeutschen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Die Bavaria Film vor den Toren der Stadt soll „neu aufgestellt“ werden, das bisherige Konzept „ist dann Geschichte“, hat ihm Christian Franckenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung, gesagt.
Zur Erinnerung: vor zwei Jahren war noch eine Modernisierung des Studiogeländes geplant [cinearte 730], im vorigen Jahr wurde über einen Einstieg von Netflix spekuliert. Nun soll das Unternehmen in zwei eigenständige Firmen aufgeteilt werden. Franckenstein soll dann Immobilien und Studiobetrieb verantworten, Julia Reuter wird für die Produktion zuständig sein. Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat hätten dem Umbau „nach zwei Jahren Diskussion nun zugestimmt.“ Das Land Bayern hält ein Sechstel der Anteile, der Rest gehört vier ARD-Sendern.
„Es ist auch das Ende des ursprünglichen Konzepts der Bavaria, nämlich wie die großen Filmstudios in Hollywood alles aus einer Hand anzubieten“, schreibt Busse. „Hier haben wirklich große Karrieren begonnen, zum Beispiel die von Alfred Hitchcock. Der weltberühmte Regisseur und Produzent drehte 1925 seinen ersten vollständigen Film im Süden Münchens, in den Studios der damaligen Münchener Lichtspielkunst, kurz Emelka, in Geiselgasteig, aus der einige Jahre später die Bavaria Film hervorging. […] Das Filmgelände, das damals schon bei manchen, Los Angeles im Isartal’ hieß, wurde wie er erfolgreich und international bekannt. Das traditionsreiche Unternehmen, das 1919 gegründet wurde und schon so viele Krisen überlebt hat, war lange eines der größten Filmstudios Europas. Bavaria stand lange für große Kinofilme“.
Der ganz große Glanz sei aber schon länger weg. „Der Umsatz der Bavaria Film stagniert seit einigen Jahren, 2025 waren es 308 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab es unter dem Strich nur einen kleinen Gewinn von acht Millionen Euro, 2024 wurden Verluste gemacht. Nach dem jüngsten Jobabbau hat die Bavaria Film noch 550 Festangestellte, unter Einbeziehung von rund 1.000 projektabhängig freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt die Gesamtzahl der Beschäftigten bei rund 1.550. Und über allem thronte die Bavaria Film mit sehr vielen Untergesellschaften.“
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