#allesdichtmachen – Folge 6: Zu weit recherchiert
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„Der Tagesspiegel“ hat sich vorige Woche „mit spitzen Lippen“ („Perlentaucher“) korrigiert: Seine Berichterstattung zu #allesdichtmachen habe selbst eine Kontroverse ausgelöst. Im Klartext: „Der Tagesspiegel“ hatte behauptet, Paul Brandenburg sei Mitinitiator des Projekts – was dieser dementiert. Keine*r der vier Autor*innen, die dazu rechercherierten, hatte mit Brandenburg gesprochen. Dafür waren die Vorwürfe gegen ihn umso heftiger: „Diese Recherchen haben zahlreiche neue Hintergründe aufgezeigt, wurden vielfältig zitiert und wir führen sie weiter. Allerdings sind uns dabei auch handwerkliche Fehler unterlaufen, für die wir um Entschuldigung bitten. Paul Brandenburg ist mehrfach in alternativen Medien aufgetreten, die auch Verbindungen zur Querdenker-Szene haben. Wir haben ihn mit Äußerungen aus diesen Auftritten zitiert und diese als ,antidemokratisch‘ bezeichnet. Dieser Begriff ist durch Brandenburgs Äußerungen nicht gedeckt. Online haben wir das korrigiert. Zudem haben wir Paul Brandenburg vor der Publikation nicht um eine Stellungnahme gebeten – eigentlich ein journalistisches Muss.“
Am Dienstag diskutierten die Journalisten des „Tagesspiegel“ auf einem virtuellen Podium mit Brandenburg über die Berichterstattung.

„Vor rauchenden Trümmern“ sieht der „Wochenrückblick“ bei „Meedia“ den „Tagesspiegel“ – die Zusammenarbeit mit einem anonymen „Recherchenetzwerk“ sei selbst „mega-dubios und alles andere als transparent“. Allerdings sei auch die Reaktion „ein einigermaßen ungewöhnlicher Vorgang im deutschen Journalismus. Nun muss man einerseits schon sagen, dass die Mängel und die Tendenziösität des ursprünglichen Artikels ärgerlich und schädlich für das Vertrauen in ,die Medien‘ sind. Andererseits muss man dem ,Tagesspiegel‘ zubilligen, dass er sich öffentlich entschuldigt hat und versucht hat, die Sache aufzuarbeiten. Das ist nicht selbstverständlich. Dass bei dem Talk ,Tagesspiegel‘-Kolumnist Harald Martenstein die eigene Zeitung scharf kritisieren konnte, spricht zudem für eine gewisse Diskussionskultur.“

„Der Tagesspiegel“ berichtet von seiner eigenen Veranstaltung, die auf Youtube zu sehen ist: Joachim Huber, verantwortlich für die Medienseiten, verteidigte die Recherchen grundsätzlich: „Es habe wie eine konzertierte Aktion gewirkt, daher sei es Aufgabe der Medien Transparenz herzustellen.“ Der „Tagesspiegel“-Kolumnist Harald Martenstein verteidigte die Aktion: „Es dürfe keine Tabuzonen geben, über die nicht gestritten werden dürfte. Wer wie die Schauspieler in Opposition zu den Corona-Maßnahmen der Regierung trete, dürfte auch nicht gleich in die rechte Ecke gestellt und stigmatisiert werden. Es sei legitim, gegen die Corona-Maßnahmen zu sein.“

Der eingeladene Paul Brandenburg beschwerte sich in der Runde, er sei als „dubiose Figur“ dargestellt worden, die „unter dem Radar der Öffentlichkeit“ tätig sei, ihm sei „sehr wohl eine Verschwörung“ unterstellt worden, berichtet der BR von der Diskussion.

Inzwischen wurden Brandenburg in Berlin seine Gewerberäume gekündigt, wo er seit zwei Wochen ein Covid-19-Testzentrum betreibt, berichtet die „Berliner Morgenpost“: Eine Mitmieterin im Haus habe sich über seine politische Gesinnung beschwert, wobei sie „ganz offen ihre Stellung in der SPD-Bundestagsfraktion in Anschlag

brachte“.

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