Wir sind Lockdown
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   *Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten? Der Verdacht ist unter Verdacht und die 
chinesische Lösung rückt näher. Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der 
Pandemie 97. Von Rüdiger Suchsland */„In Gefahr und größter Not bringt der 
Mittelweg den Tod.“ /
Alexander Kluge

/„Man kann sich auch darauf verständigen, dass man gewisse Risiken bewusst 
eingeht. Dieser Aspekt kommt mir gerade zu kurz.“ /Svenja Flaßpöhler, Philosophin

/„Nehmen Sie denn nichts ernst?“ – „Nur Lustiges“ /
aus: „Mank“ von David Fincher

Corona, Corona, Corona, Lockdown, Lockdown, Lockdown, härter, härter, härter – 
das Mantra des öffentlichen Diskurses wird zunehmend stupider. Vielleicht ist ja 
das bereits eine Folge des Lockdown.

Und gar nicht so wenige Leute zeigen jetzt gerade ihre unsympatischen Seiten – 
andere würden vielleicht auch sagen, ihr wahres Gesicht. Oder der sächsische 
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat unter seiner Mund-Nasen-Maske 
zuletzt einfach nicht genug Luft bekommen, dass er sich zu Äußerungen hinreißen 
lässt, wie der, dass nun „ganz andere, ganz klare, autoritäre Maßnahmen des 
Staates“ nötig seien.

Die DDR ist in manchen Köpfen offebar immer noch nicht vorbei, sonst hätte 
Kretschmer begriffen, dass er der Diener der Menschen ist, denen er nun 
autoritäre Anweisungen geben möchte – einfach weil er versagt hat, zu überzeugen 
und zu erklären.

Zur Erinnerung: Es war Kretschmer, der Friedrich-Merz-Fan, nicht etwa Laschet, 
der noch vor einer Woche – die Ansteckungszahlen in Sachsen gingen da schon 
durch die Decke, viel von Selbstverantwortung geredet hatte.

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Interessanterweise redet Kretschmer heute auch davon, eine „Umkehr der Haltung 
in großen Teilen der Bevölkerung“ sei jetzt unabdingbar.

Das überrascht, denn die Umfragen die in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten 
bekannt gegeben werden, haben immer eine völlig andere Tendenz: Nur 13 Prozent, 
behauptet das ZDF-Politbarometer gestern 
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-haertere-massnahmen-100.html, 
hielten die Maßnahmen für „übertrieben“, 49 Prozent wünschten sich, dass die 
Maßnahmen „härter ausfallen“, der Rest findet alles, also den „Lockdown light“ 
genau richtig.

„Mehrheit für härte Corona-Maßnahmen“ titeln die Mainzelmänner dazu – und haben 
sich natürlich verrechnet. Denn 49 Prozent ist immer noch nicht die Mehrheit von 
100 Prozent.

Im Widerspruch dazu erzählt  Kretschmer, ihn erreichten noch immer E-Mails mit 
Forderungen nach Lockerungen der geltenden Corona-Maßnahmen. Da kann er mal sehen.

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Gehirnwäsche im Schleudergang, aka ein Fernseh-Abend zu Corona. Bin ich 
natürlich selber schuld, mir drei Stunden lang Corona-Talks anzuhören: Am 
Donnerstag also zuerst „Maybrit Illner“, dann „Markus Lanz“, dann die 
Wiederholung von „Maischbergers Woche“ vom Abend vorher. Zu 80 Prozent der Fälle 
weiß man, was die Leute vorher sagen. Zu 50 % versucht man vor allem 
Beobachtungen zweiter Ordnung zu machen. Das heißt das „was“ ist überhaupt nicht 
interessant, sondern nur „wie“ sie es sagen. Bringen sie ihr Narrativ gut rüber? 
Machen sie Punkte? Ist es nun eine geschickte Antwort? Würde man jetzt an ihrer 
Stelle genauso argumentieren? Zum Beispiel Joe Kaeser von Siemens bei 
Maischberger: Dies ist ein Mann, der offensichtlich vor ziemlich wenig Dingen 
Angst hat. Maischberger fragt ihn, und es ist keine schlechte Frage, „haben Sie 
eigentlich Angst vor dem Virus, ich meine Sie persönlich?“ Kaeser scheint zuerst 
die Frage nicht ganz verstehen und dann erklärt er, er würde sich vor allem 
erstmal schützen und die anderen. Dann wechselt er schnell das Thema. Es ist 
nicht seins.

Man kann ja fragen, warum er nicht und warum überhaupt nur wenige Leute die 
objektiv naheliegende Antwort geben: Auch ein 7-Tage-Inzidenz-Wert von 500 oder 
von über 500 im Landkreis Regen im Allgäu aus dem Kaeser stammt und der den 
Anlass für diese Frage bildete, auch im Ort mit den allerhöchsten Inzidenzwerten 
gibt es keinen Grund zur Angst, nur zur Vorsicht. Denn nur 0,4 der an Corona 
Erkrankten sterben. Hier ist die Grippe tatsächlich gefährlicher.

500 pro 100.000 bedeutet, dass ein Mensch von 200 infiziert ist. Rechnen wir 
Dunkelziffern mit ein, und alle die bereits vor mehr als 7 Tagen infiziert 
wurden, und das nicht wissen oder wissen wollen mit ein, dann kommen wir mit 
einer ungemein großzügigen Schätzung auf 1.000. Also auf ein Prozent der 
Bevölkerung. Nicht jede Begegnung, schon gar nicht jedes Vorbeirauschen im 
Supermarkt führt zu einer Infektion.

An diesen Fakten gemessen gibt es Gründe zur Vorsicht. Die augenblicklich 
grassierende allgemeine Angst – ich sage nicht Angstmacherei – und stellenweise 
Panik ist aber vollkommen unangemessen.

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Bei Maybrit Illner ergeben sich allerlei schräge Eindrücke: Frank Ulrich 
Montgomery Weltärztepräsident, plädierte de facto für die chinesische Lösung 
eines Total-Lockdowns. Auch sonst argumentiert der Mann mit Fake-News, wenn er 
behauptet, man müsse die Alten zuerst impfen, weil es zuviele Junge gibt – Fake 
News! Es gibt weniger Junge als Alte – und dann von Hedonismus schwafelt. 
Zusammengenommen Populismus pur.

Aus diesem Anlass muss man vielleicht mal daran erinnern, dass Montgomery noch 
Ende April keine Masken wollte 
https://www.aerztezeitung.de/Politik/Montgomery-haelt-Maskenpflicht-fuer-falsch-408844.html. 


Gut war die Philosophin Svenja Flaßpöhler, außer dass sie auch irgendwann die 
Mode-Formel „Resilienz“ in den Mund nahm.

Sie mokierte sich über die „irrationalen Anteile“ unserer Lockdown-Debatten. 
Über die „Heilsversprechen der Impfstoffe“ und von Weihnachten.

Sie erinnerte: „Solidarität gilt auch für die Jungen.“ Und es sind ja Tatsachen: 
In der ganzen Corona-Krise sind 10 Menschen unter 20 Jahren gestorben, und bei 
sieben ist nicht völlig klar, ob sie an Corona gestorben sind.

Der Held des Abends war der bislang von seiner eigenen Partei vielgeschmähte 
Boris Palmer. Ein ausdrückliches Lob für Palmers Tübinger Schutz-Politik 
speziell für Risiko-Gruppen, die so ziemlich das Gegenteil aller sonstigen 
Regierungsmaßnahmen bedeutet, kam von Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von 
Rheinland-Pfalz.

Zugleich die Behauptung, das sei nicht übertragbar. Warum eigentlich? Alle 
faseln immer bei unpassendster Gelegenheit viel von „Subsidiaritätsprinzip“ – 
nur man macht es nicht! Keiner der Bürgermeister Rheinland-Pfalz macht von 
selbst, was der Tübinger OB vormacht. Auch sonst keiner.

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Palmers Urteil über den Lockdown-Light war auch gnadenlos: „Ich habe das nie 
geglaubt, dass ausgerechnet diese Bereiche (gemeint sind Kinos, Kulturorte, 
Gaststätten) die Zahlen runter bringen sollen.“

Und weiter: „Das Problem von Corona ist nicht, dass so viele Leute an Corona 
sterben. Sondern dass unser Gesundheitssystem überlastet wird.“

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Alle sind sich einig: Keine Impfpflicht. Aber warum? Außerdem ist dies schon 
jetzt ein lost cause – wir sprechen uns im Frühsommer, liebe verpeilte 
Impfgegner: Dann wird man nämlich seine Immunität mit einem Immunitätsausweis 
oder ähnlichem nachweisen müssen. Im Flieger, in Gaststätten, bei 
Großveranstaltungen. Das ist die Impfpflicht durch die Hintertür.

Daraus folgt: Ehrlichkeit, kein Drumherumgerede, man sollte sofort die 
Impfpflicht einführen. Das wäre mehr praktizierter Gemeinsinn und Solidarität, 
als die wohlfeilen unverbindlichen Floskeln vom „die Alten schützen“ und 
autoritäre Aussetzer.

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Die deutsche Politik ist mittlerweile in offener Panik. Das „Konzept“ der 
Regierungen hat erkennbar nicht funktioniert. Die großen Enttäuschungen die 
folgten, machen jede weitere Kraftanstrengung schwierig.

Daher kommen nun die Drohkulisse. Die vielen Toten. Etwa vom Berliner 
Regierenden Michael Müller: Der Restaurantbesuch sei keinen Toten wert. Klar. 
Trotzdem Populismus pur.

Denn man muss ehrlicherweise auch umgekehrt fragen: Wie viele Tote ist uns in 
der Lockdown wert?

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Auch wenn man es nicht gerne hört, aber Corona ist mittelfristig eine Gefahr für 
die Demokratie. Das beginnt mit der mal populistischen, mal autoritären Rhetorik 
die sich mehr und mehr einschleicht.

Paradebeispiel: Die Kanzlerin am Mittwoch im Bundestag: Wissenschaft, DDR, ihre 
Emotion als Druckmittel. Dann das erkennbar bestellte Leopoldina-Gutachten. Dann 
das Abschieben der Verantwortung von der verantwortlichen Politik auf die Bürger.

Als ob die nicht größtenteils täten, was die Regierung will.

Mal lügen sie, und mal sagen sie nicht die Wahrheit. Jedenfalls kann man sich 
leider nicht mehr auf das verlassen, was die Politik öffentlich verkündet. Denn 
es hat eine Halbwertszeit von nicht viel länger als einen Tag. Genau dies 
zermürbt die Menschen: Im Oktober: Bis Ende November. Mitte November: Bis 
Weihnachten. Anfang Dezember: Nachschärfen, vielleicht länger. Heute „vielleicht 
bis 10. Januar.“

So geht es nicht mehr lange.

Dieses dauernde Mahnen, dieses dauernde: „da muss noch mehr passieren“ zermürbt 
die Leute. Denn wer müsste es denn machen. Die Regierenden. Sie müssen machen, 
nicht mahnen.

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„Skepsis ist ja eigentlich etwas Gutes. Aber inzwischen ist der Verdacht unter 
Verdacht“ sagte mir heute ein Freund am Telefon.

Da ist etwas Wahres dran. Kritik an der Regierung wird in manchen Kreisen in den 
Vorwurf an den Kritikern umgemünzt. Der Vorwurf der Verschwörungstheorie wird 
selbst zur Verschwörungstheorie.

„Skepsis und Maßnahmen kritisch zu begleiten ist sehr gesund – ich rede jetzt 
nicht von Verschwörungstheorien.“ sagt Svenja Flaßpöhler bei Maybrit Illner.

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Ich weiß nicht wie es Euch geht mit Sebastian Pufpaff? Ich habe ihn geliebt im 
Frühjahrs-Lockdown und fand es total blöd, dass seine Sendung eingestellt wurde. 
Aber irgendwie flutscht es nicht mehr so im Winter.

Obwohl ich beim Spruch „Handwerker sind für Hammer-Lockdown“ wirklich gelacht habe.

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Anderen Ländern ist die deutsche Fixierung auf Weihnachten sowieso suspekt. 
Fragt doch mal, liebe Leser Franzosen.

Ist Weihnachten wirklich so wichtig? Religiös zumindest schon mal nicht, 
jedenfalls nicht so, dass besondere Rücksicht auf das Weihnachtsfest geboten 
scheint. Bereits im August hat die „Forschungsgruppe Weltanschauungen“ ihre 
jährliche Religionsstatistik 
https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-2019 veröffentlicht.

Daraus geht vieles hervor, besonders zentral scheinen mit zwei Aussagen: 38,8 
Prozent er Deutschen sind komplett konfessionsfrei. Dies ist ein größerer 
Abteil, als der der Katholiken (27,1 Prozent) und der Protestanten (24,9). 
Allerdings handelt es sich hier ja auch noch weniger um eine geschlossene Gruppe.

Die zweite Aussage: Über 92 Prozent der Deutschen bleiben Gottesdiensten fern. 
Diese Daten zur „gelebten Religion“ sind besonders interessant. Sie zeigen, dass 
nur 6,6 Millionen (7,9 Prozent) der in Deutschland lebenden Menschen als 
„praktizierende Gläubige“ aller Religionsgemeinschaften – also nicht nur 
christlicher!! – einzustufen sind. Allein 2019 verloren die Katholiken 401.700 
und die EKD 395.000 Mitglieder – also mehr als die fünftgrößte deutsche Stadt 
Frankfurt an Einwohnern hat. Bei etwa gut 272.000 bzw. 216.000 handelt es sich 
um Kirchenaustritte, beim Rest um Verstorbene.

Allerdings müssen sich die Forscher bei diesen Zahlen auf Angaben der Kirchen 
selbst verlassen. In ihrer ausführlichen Analyse der Daten merken sie an, das 
rund 8 Prozent der angegebenen Veränderungen nicht erklärbar sind. Diese 
Differenz zwischen Kirchenstatistik und Melderegister übersteigt die übliche 
Fehlertoleranz und hat unter anderem damit zu tun, dass die Verstorbenen, die 
sich nicht kirchlich bestatten lassen in der Kirchenstatistik nicht auftauchen. 
Das heißt im Klartext, dass im Zweifelsfall die Mitgliederzahlen noch viel 
niedriger liegen, weil Tote als Kirchenmitglieder geführt werden.

Wenn diese Vermutung stimmt, dann liegt insbesondere die Zahl der evangelischen 
Kirchenmitglieder noch weit niedriger.

Weiterhin sehr unklar ist auch, wie hoch die Zahl der in Deutschland lebenden 
Muslime tatsächlich liegt. Denn Kinder die an muslimischen Vater haben werden 
bei der Geburt automatisch Muslime.

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Der Deutschlandfunk hat dazu den Philosophen Michael Schmidt-Salomon 
https://www.deutschlandfunk.de/philosoph-michael-schmidt-salomon-aufgeklaerte-religion.886.de.html?, 
Mitgründer und Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung 
/>, die im Namen des einst von den 
Kirchen als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen verbrannten Denkers für Aufklärung 
als „Leitkultur“ kämpft, interviewt.

Schmidt-Salomon meint, dass die Form der liberalen, aufgeklärten Religion „so 
etwas wie eine absterbende Kulturerscheinung ist, vergleichbar mit 
Männergesangsvereinen, die ’Am Brunnen vor dem Tore singen’. Das ist natürlich 
gefährlich, denn diese liberalen Gläubigen haben das Interface geliefert 
zwischen den fundamentalistischen Gläubigen auf der einen und den rein säkularen 
Menschen auf der anderen Seite. Wenn das nun wegschmilzt, ist das ein 
gefährlicher Prozess. Ich denke, dass wir genau das auf der Welt derzeit 
beobachten können, diese Polarisierung in Lager, die kaum noch Gemeinsamkeiten 
haben. (…) Der Prozess der Entchristlichung und Entkirchlichung ist stetig und 
wird auch nicht abflauen, denn er hängt nicht nur damit zusammen, dass Menschen 
aus der Kirche austreten, sondern auch damit, dass das Verhältnis von neu 
Getauften und Gestorbenen sehr ungünstig ist für die Kirchenstatistik.“

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Auf ZDF-Zoom zeigt eine wirklich sehr schlechte Dokumentation über die 
Bundesbahn. Von einem offenbar sehr negativ eingestellten Filmemacher. Billiges 
Bahn-Bashing verbindet er mit dem Propagieren des Modell der spanischen Bahn, in 
der Reservierungspflicht herrscht und man nur noch auf dem Bahnsteig kommt wenn 
man vorher eine Karte hat. Warum eigentlich? Warum muss alles durchreguliert 
werden? Warum kann man es nicht weiterhin so machen, wie in Deutschland: Dass 
man einfach einsteigen kann – genau das ist der große Vorteil der Bahn.

Der Film belegt unter der Hand die Beobachtung von Ökonomie-Wissenschaftlern, 
dass mit dem Neoliberalismus Bürokratie zunimmt, nicht etwa abgebaut wird.

Auch sonst mutet das Ganze an wie ein neoliberaler Werbefilm für 
Bahn-Deregulierung: Die Bahnhöfe sollen selbst verwaltet werden, auch die Gleise 
sollen verkauft werden.

Die Spanier brauchen für eine neue Netzverbindung nur zehn Jahre. Die Deutschen 
20. Aber warum? Es ist nicht die Schuld der Bahn. Es ist die Schuld des 
Föderalismus.

Dann noch ein Interview mit Anna Palacio, die vor fast 20 Jahren Außenministerin 
unter der Rechtsaußen-Partei PP war.

Da wird die ZDF-Reportage ein kleiner Skandal. Denn wenn Palacio interviewt 
wird, wird nicht dazu gesagt, dass ihre Schwester in der Zeit der hier gelobten 
Bahngenehmigung in der EU als spanische Europa-Kommissarin für die 
Harmonisierung technischer Verkehrssystem und die Genehmigung der spanischen 
Bahnstrecken zuständig war – natürlich nicht allein. Trotzdem(…) Die Dinge sind 
komplizierter als die flotten Kommentare a la „wie zu Kaisers Zeiten“ bei der Bahn.

Ein tatsächlicher Skandal ist aber, da hat der Film mal recht, natürlich der 
Neubau des Hamburger Bahnhofs Altona. Der alte soll verschwinden, weil man die 
freiwerdende Fläche für Immobilien in Hamburg verscherbeln will. Pech für die 
Bahnfahrer.

Im Bild sieht man Skandal- und Noch-Verkehrsminister Scheuer und Olaf „Bazooka“ 
Scholz. Scholz kommt aus Altona, hat natürlich keine Spezln die vom Neubau 
profitieren und wird der nächste Totengräber der Sozialdemokratie werden.

Neben ihnen steht Bahnvorstand Roland Pofalla, der alte Strippenzieher und 
Ausputzer aus Angela Merkels Vorzimmer, der im Fußballverein immer Vorstopper 
war. Die drei nebeneinander – das Bild ist zum Kot… Kottelet-Essen. ;)

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Der Film ist auch überhaupt nicht up-to-date, denn er endet damit, dass die Bahn 
die Nachtzüge  abgeschafft hat. In der Tat. Das war ein Fehler. Den die Bahn 
längst eingesehen hat. Gerade in dieser Woche wurde bekannt gegeben, dass die 
Deutsche Bahn die Nachtzüge nächstes Jahr wieder aufnimmt.

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Auf Netflix: „Mank“ von David Fincher. Er erzählt seine Version der 
Vor-Geschichte von „Citizen Kane“. Sie ist nicht schmeichelhaft für Orson 
Welles, dafür um so gnädiger mit dem Drehbuchautor Herman Mankiewicz. Darin 
folgt Fincher der berühmten US-Kritikerin Pauline Kael und deren legendärer 
Abrechnung mit Welles in ihrem Buch „Raising Kane“.

David Fincher interessiert sich für die 30 goldenen Jahre der Filmindustrie 
zwischen den frühen 20er und den frühen 50er Jahren. Als die Studiobosse 
Diktatoren waren, denen die Stars „gehörten“. Einer von ihnen, MGM-Boss Louis B. 
Mayer bekommt einen schönen Satz in diesem Film. Die Magie des Films, sagt er, 
sie läge vor allem darin, dass Film die einzige Ware sei, die nach dem Kauf nur 
in der Erinnerung der Kunden existiert, während sie sich weiter im Besitz des 
Verkäufers befindet.

Zugleich erscheint „Mank“ überaus aktuell in seinem Bild einer USA, in der die 
Exzesse der Oberschicht mit der Korruption einer ganzen Gesellschaft und dem 
Größenwahnsinn einzelner Superreicher einhergehen. Hollywood lieferte dazu Pomp 
und Glamour – um so schlimmer, wenn es wie in diesem Fall dann nicht spurte, wie 
gewünscht, und gar einen seiner reichen Gönner direkt anging. So wie William 
Randolph Hearst einst den Schriftsteller Upton Sinclair in einer Medienkampagne 
politisch nahezu ruinierte, so versuchte er auch die Karriere von Mankiewicz, 
der ihm nicht gehorchen wollte, zu zerstören und den Film „Citizen Kane“ zu 
verhindern.

Im Jahr 2020 muss man in alldem, wie in der grundsätzlichen politischen 
Paranoia, die der Film schildert, ein Spiegelbild des Trumpismus sehen. Im 
Hollywood der 30er Jahre findet Fincher eine Welt, in der sich Unterhaltung und 
Politik gefährlich durchdringen. Dabei bewahrt er sich und seinem Publikum 
zugleich immer den Sinn für die Größe der alten Filmindustrie, für ihre Magie 
über allen Abgründen.

Dies ist ein Nabelschau-Film über das Filmemachen, aber ein ambivalenter: Weder 
voller Ehrfurcht, noch darauf versessen, Hollywood mit einer Insider-Satire zu 
treffen. Im Gegenteil: Noch in seinen Laster und in der Amoral seiner 
Verhältnisse, seiner Heuchelei, findet Fincher Anmut und Größe, Unschuld und 
Freude am Staunen.

Es ist Finchers erste Kinoarbeit seit „Gone Girl“ vor über sechs Jahren. Ein 
Herzensprojekt bereits seit über 20 Jahren. Doch auch 1997, direkt nach „Seven“ 
und „The Game“ und im Ruf, das größte Jung-Genie seiner Generation zu sein, 
erlaubte man ihm keinen Schwarzweißfilm. Es musste erst Netflix kommen, um diese 
anspruchsvolle Feier künstlerischer Kreativität, die mehr ist, als nostalgische 
Beschwörung alten Hollywood-Zaubers und Nerd-Kult für Cinephile, doch noch 
möglich zu machen.

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„Krishna Krisha, hare hare, härterer Lockdown, härterer Lockdown, härterer 
Lockdown, härterer Lockdown …“

Bis Montag und habt ein schönes Wochenende!
Euer Crew United Team

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