Man nennt es auch Demokratie
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*Leipziger allerlei, Royal mit Käse, Damenopfer und Schattenspiele: 
Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 83. Von Rüdiger Suchsland*

/„Ach wissen Sie, da kam man von einer anstrengenden Dienstreise zurück, hatte 
unheimliche Zahnschmerzen und dann auch noch dieser Scheiß.“ /
Willy Brandt, Jahre nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler, befragt zum 
Gründen, der Guillaume-Affaire

/„Das ist ein König, er ist die wichtigste Figur auf dem Brett und das weiß er 
auch. Die Dame: sie ist beweglicher, sie ist mutig und sie ist gerissen und sie 
kann so weit gehen, wie sie will.“ /
Vladimir Nabokov: „Lushins Verteidigung“

/„Wer profitiert eigentlich von der Pandemie, die Verschwörungsdödel oder die 
Superreichen?“ /
Jan Böhmermann

Es nervt. Die Leute reden durcheinander. Sie sind sich einfach nicht einig. Sie 
streiten sich. Sie haben alle verschiedene Meinungen. Und manche wollen zwar 
dasselbe, aber aus verschiedenen Gründen. Man nennt es auch Demokratie.

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In letzten Tagen haben wir einige interessante Lektionen über Demokratie 
bekommen. Rechtsstaat funktioniert, und Geduld lohnt sich – so heißt die 
amerikanische Lektion.

In Deutschland dagegen regieren gerade Hektik und Justizbashing. Beispiel 
Sachsen: Da versucht die sächsische Polizei ihr eigenes Versagen im Komplott mit 
dem Innenministerium auf die Gerichte abzuschieben. Denen wird jetzt 
vorgeworfen, dass sie die Leipziger Demonstrationen erlaubt haben – wo doch die 
Demonstrationen nicht schlimm waren, sondern Bürgerrecht. Die Polizei aber 
versagt hat, weil sie in Sachsen oft auf dem rechten Auge blind ist. De facto 
zeigte der Samstag, dass die Landesregierung im Freistaat Sachsen 
(Kenia-Koalition: Schwarz-Rot-Grün) nicht in der Lage ist, Recht, Ordnung und 
Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Die Kapitulation des Staates in 
Sachsen vor einer extremen, hoch gewaltbereiten rechten Szene, die die Demos 
gegen Corona-Politik gekapert hat.

Jetzt versucht man als Reaktion, die Gesetze zu verändern.

Die Gesetze anzupassen, so wie es gerade in den Kram passt, ist ein großes 
Problem, wenn es während der Ereignisse passiert. Wir würden ja auch nicht 
während einer Geiselnahme die Strafen für Geiselnehmer verschärfen, oder während 
einer Pleitewelle das Insolvenzgesetz verändern. Genau dies passiert aber 
gerade. Die Bundesregierung will mehr Vollmachten im Gesundheitsbereich 
https://www.ndr.de/nachrichten/info/sendungen/kommentare/Mehr-Kompetenzen-fuer-Spahn-ist-sinnvoll,spahn264.html, 
damit ihnen die Gerichte in der Pandemiebekämpfung durch Freiheitseinschränkung 
nicht dazwischenfunken. Sie will das Demonstrationsrecht verändern, weil ihr die 
Demonstrationen nicht passen. Und die Parteien sollen ihre Vorsitzenden digital 
wählen können und Parteitage digital abhalten, weil die CDU das Wahljahr nicht 
mit AKK aushält.

„Neue Normalität“ heißt also nichts anderes als die Anpassung unserer Gesetze an 
die Unnormalität.

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Gerade noch vor dem Trump-Abgang greift die US-Regierung in die 
Berichterstattungsfreiheit ausländischer Journalisten ein, und planen eine 
massive Einschränkung ihrer Arbeitsbedingungen, die de facto auf die Abschaffung 
der Auslandskorrespondenten hinausläuft. Nach einer vom Heimatschutzministerium 
vorgeschlagenen Regelung sollen auswärtige Journalisten künftig nur noch maximal 
für 240 Tage in den USA arbeiten dürfen. Eine einmalige (!) Verlängerung um 
weitere acht Monate soll – nach Ermessen der Grenzbeamten – möglich sein. Bisher 
ist es für Journalisten so, dass sie sich so lange vor Ort aufhalten dürfen, wie 
es für ihre Tätigkeit erforderlich ist.

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Die Zeit vergeht, der Lockdown steht. Eine Woche schon wieder. Noch mindestens 
drei Wochen. Oder eben länger, auf unbegrenzte Zeit.

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Schach sei der Sport der Pandemie, lese ich in der „FAZ“. Und tatsächlich 
schreibt Paul Ingenday, langjähriger Spanien-Korrespondent des Blattes und zwei 
Jahre nach Frank Schirrmachers Tod 2016 wohl eher gegen seien Willen aus Madrid 
nach Berlin beordert, in seinem Text „Wie ein neues Universum entsteht“ 
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-online-schach-eine-schnelle-grelle-laute-show-ist-17040163.html 
in der Ausgabe vom Samstag eine kleine Kulturgeschichte des Gegenwarts-Schach. 
„Kaum ein Sport“ behauptet er, „hat sich während der Pandemie so rasant 
verändert wie Schach. Aus dem Refugium für Sonderlinge ist online eine schnelle, 
grelle und lärmende Show geworden, in der auch betrogen wird.“

Zwar ist auch das analoge Schachspielen eine für viele sonderbare, in mancher 
Hinsicht unkörperliche Sache. Noch in den 80er Jahren waren Schachklubs 
wenigstens verraucht – inzwischen gleichen sie wie andere ehemals belebte 
soziale Räume unseres Lebens einem pathologischen Institut: Clean, hygienisch 
und unbelebt.

Wenn die Menschen nun zum Zuhausebleiben verdonnert sind, kommen sie auf 
merkwürdige Ideen, auch Schachspieler. Sie spielen dann zum Beispiel auf den 
Plattformen Playchess https://play.chessbase.com/de/, chess24 
https://chess24.com/de, lichness https://lichess.org/ und Chess.com 
https://www.chess.com/ (hier spiele ich selbst manchmal auch gern). Im Lauf 
der Corona-Monate spaltet sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die 
Schach-Szene zunehmend: In „Traditionalisten, die an den alten Werten 
festhalten“, und „eine jüngere, netzaffine Generation, die sich mit Ungestüm 
einer völlig anderen Kultur in die Arme geworfen hat.“

Die Pandemie habe die Welt des Online-Schachs drastisch verändert, beschleunigt, 
popularisiert, vulgarisiert, kommerzialisiert. „Plötzlich fanden auch 
Ahnungslose Schach cool und drängten in seine faszinierende Aura, ohne die Demut 
des Lernens auf sich zu nehmen. Die Geduld der Zuschauer schrumpfte, der Lärm 
schwoll an. (…) Am Ende schlugen alle Steigerungseffekte auf die alte 
Schachkultur zurück“.

Manche hoffen auch hier schon jetzt auf die Zeit nach Corona. „Wenn Corona 
vorbei ist, wird der Internet-Hype allmählich verschwinden. Dann besteht 
Hoffnung, Schach wieder als Spiel zu erleben, das seiner historischen Reputation 
gerecht wird.“ sagt die deutsche Top-Schachspielerin Elisabeth Pähtz. 
https://www.elisabeth-paehtz.de/

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Zum Schach-Boom beitragen dürfte nun auch eine neue Netflix-Serie: „Queen's 
Gambit“ https://www.imdb.com/title/tt10048342/?ref_=nv_sr_srsg_0 (der Titel 
heißt übrigens frei übersetzt „Damenopfer“) lässt in Pastellfarben die Welt der 
50er und 60er Jahre wiederauferstehen. Auf den ersten Blick würde man nicht 
glauben, dass die Geschichte einer Schachspielerin eine spannende Serie geben 
kann, aber die Miniserie beweist dann durchaus das Gegenteil. Sie entfaltet 
anhand des Schachspiels auch de Systemkonflikt des Kalten Kriegs. Ein 
Waisenmädchen wird zum Schachgenie – es geht da auch um Emanzipation, 
Puritanismus und Antirassismus und überraschend viel auch um die Welt des 
Schachs und der Schachgeschichte: Das Klischee, nach dem Schachspieler irgendwie 
weltfremde Nerds sind, dominiert zwar auch hier. Aber die Serie zeigt doch eine 
überraschend reichhaltige Welt. Das Ganze spielt in den USA und verschiedenen 
anderen Ländern, aber nicht in Deutschland – obwohl es dort coproduziert wurde. 
Set Designer Uli Hanisch hat das Moskau von 1968 in der ehemaligen Stalin-Allee 
des alten Ost-Berlin sehr glaubwürdig auferstehen lassen – die schöne 
Schlußszene dort macht klar, dass Schach eigentlich ein klassenloses Spiel ist.

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Ich weiß nicht, ob es anderen ähnlich geht – ich habe während des neuen 
Lockdowns auch diesmal wieder mehr Zeit, um Filme, Serien und andere Sendungen 
in den öffentlich-rechtlichen Sendern und auf Streaming-Diensten zu sehen. Ein 
interessanter Eindruck der letzten Woche war zum Beispiel neben der ja schon von 
Kritikerkollegen vielgepriesenen „Queen's Gambit“ auch „Shadowplay – Schatten 
der Mörder“ im ZDF https://www.zdf.de/serien/schatten-der-moerder-shadowplay. 
Meine Mediatheksempfehlung, allerdings bitte unbedingt im englisch-deutschen 
Original: Acht Teile, jeweils gedoppelt an vier Tagen hintereinander und 
wahrscheinlich mit den 3 bis 4 Millionen Zuschauern (10 bis 15 Prozent 
Marktanteil) pro Folge enttäuschend für den Sender. Ich finde diese Zahlen unter 
Wert, denn „Shadowplay“ war spannend, etwas, das man gut weggucken konnte.

Die Handlung spielt im in vier Besatzungszonen geteilten Trümmer-Berlin des 
Jahres 1946 zwischen Deutschen, Amis und etwas zu bösen Russen. Das war gut, 
gerade in seiner Trashigkeit und dem lässigen Umgang mit dem, was bei uns 
„deutsche Vergangenheit“ genannt wird, also: Den Nazis. Geschrieben und 
inszeniert von zwei Schweden, ahnt man schon, warum das Publikum reserviert 
reagierte: Es fehlt dieses Staatstragende, das solche Filme immer bei uns haben. 
Alles Deutschen sind hier so kaputt und traumatisiert und moralisch(…) nun ja: 
pragmatisch, wie in der Wirklichkeit. Die Menschen sind die Trümmer: Voller 
Schutt und Blindgänger. Und man sieht Schauspieler wie Nina Hoss, Mala Emde und 
Sebastian Koch, in Nebenrollen Martin Wuttke oder Lena Ursendowsky mal etwas 
anders.

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Das große Highlight war aber dann die Rückkehr von Jan Böhmermann 
https://taz.de/Jan-Boehmermann-im-ZDF-Hauptprogramm/!5726806/. Das muss man 
(MUSS!! MAN!!) unbedingt nachholen 
https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-6-november-2020-100.html: 
Überragendes Fernsehen. Eine großartige, sehr lustige, überaus gescheite halbe 
Stunde. Böhmermann machte da weiter, wo er bei Neo aufgehört hatte, subversiv 
und aufklärerisch, und setzte das Lieblingsthema der Kindergärtner in den 
öffentlich-rechtlichen Medien, die Verschwörungstheorien (die man jetzt besser 
„Verschwörungsmythen“ oder „Verschwörungserzählungen“ nennen soll) ins richtige 
Verhältnis:

Unter der Maske der Satire die reine Wahrheit über Superreiche: Über den 
Stoschek-Style 
https://www.np-coburg.de/region/coburg/Boehmermann-geisselt-den-Stoschek-Style;art83420,7459899 
zum Beispiel.

Fazit: „Die wahre Verschwörung ist: Es gibt keine Verschwörung. Es braucht keine 
Verschwörung. Es läuft auch so alles zugunsten weniger. (…) Den Reichen kommen 
die Verschwörungsfreaks sogar ganz gelegen, denn so interessieren sich Medien, 
Politik und Gesellschaft noch weniger für sie. (…) Wir alle sind Opfer der 
schlimmsten, der größten Geheim-Verschwörung: Der Wirklichkeit.“

Nur – ausgerechnet – „Der Spiegel“ konnte nicht lachen 
https://www.spiegel.de/kultur/tv/jan-boehmermann-im-zdf-welche-dunkle-macht-ist-in-ihn-gefahren-a-97745e30-3c39-4401-8b43-867c82cc61bc. 


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Die unterhaltsamste Sendung am Sonntag war wieder mal „Anne Will“. Heiko Maaß 
hatte nicht nur Probleme mit seiner neuen Frisur, sondern auch mit dem Internet. 
Laschet redete als er Biden sagte, eigentlich über sich: „Kurs der Mitte, 
versöhnen, vereinen, das Land zusammenbringen et cetera“, das war nicht zu 
übersehen auch gegen Merz gerichtet, den alten Spalter. Hedwig Richter, eine 
gutgelaunte sympathische Schwäbin und Historikerin im hellblauen Hosenanzug 
freute sich über Bidens Sieg und ließ sich in ihrem Enthusiasmus auch nicht 
irritieren, als Will das Faß nochmal aufmachte, das selbst Netanyahu zugemacht 
hat, als sie behauptete Joe Biden „scheint als Sieger festzustehen“ – ganz so 
sicher ist sich Will also nicht. Dazu der apodiktisch-besserwisserische Ton, 
Augenklimpern und selbstgefälliges Grinsen. Danach legte sie noch einem armen 
übriggebliebenen Republikaner eine Dummheit nach der anderen in den Mund – 
eigentlich war's nicht lustig, sondern traurig.

Bis Mittwoch!
Euer Crew United Team

Crew United - Lutz und Zenglein GbR
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Tel: +49 89 20244030 https://www.crew-united.com 
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