CORONA Brancheninfos #83/2
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    Heute sind wir alle Demokraten!

*Gegen den Lockdown des Denkens, Voodoo-Gesundheitspolitik: Apokalyptiker & 
Integrierte – Gedanken in der Pandemie 80. Von Rüdiger Suchsland*

/„Die erste Gestalt der Hoffnung ist die Furcht, die erste Erscheinung des Neuen 
der Schrecken.“
/Heiner Müller, 1979

Alle reden über den Lockdown. Wir auch. Aber nicht nur.

Trotzdem, da wir ja ein demokratischer, so meinungsfreudiger wie 
meinungsneugieriger, pluralistischer Blog sind, und uns neben den Jubelhymnen 
und Freudentränen auch gleich schon wieder Meckermails erreichen, erlaube ich 
mir, Euch, lieben Lesern, zum Auftakt gleich ein paar Fragen zu stellen: Was 
denkt ihr über den Lockdown? Gibt es etwas, wovor ihr Euch besonders fürchtet, 
was Euch besonders nervt? Oder umgekehrt: Worauf ihr Euch womöglich freut – 
außer dass die Infektionszahlen vielleicht sinken, und das alles wahrscheinlich 
dem Klima gut tut?

Was ist überhaupt vom Lockdown zu halten? Ist er wirklich nötig? Sind sich 
wenigstens Virologen und Epidemologen einig? Und wie sähe eine mögliche 
Gegenstrategie nach Euer Meinung aus?

Das sind Fragen, die wir jeder für sich selbst, aber vielleicht auch alle 
gemeinsam beantworten müssen. Ihr könnt mir Eure Gedanken unter 
suchsland_r@web.de gerne zumailen – Vertraulichkeit und Anonymität sichere ich 
gerne zu, genauso, dass alles in meine Gedanken hier einfließen wird.

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Es gibt auch einen Lockdown des Denkens. Das meinen nicht nur wir, sondern unter 
anderem Boris Palmer, immer noch Mitglied der „Grünen“ und Oberbürgermeister von 
Tübingen. In einem heute erschienenen Essay für die „Welt“ 
https://www.welt.de/debatte/plus219024364/Boris-Palmer-Schluss-mit-dem-Lockdown-im-Denken.html 
übernimmt er die Ansichten führender Virologen, nach denen wir „mit dem Virus 
leben“ müssen – was immer das heißt.

Seiner Meinung nach müssen wir die neuen Corona-Maßnahmen nicht akzeptieren, 
sondern sollten mit den modernsten Waffen gegen die Pandemie vorgehen.

Palmer empfiehlt, sich am Beispiel Taiwan und Südkorea zu orientieren: „Taiwan 
ermittelt für jeden Infizierten rund 30 Kontaktpersonen, die in strenge 
Quarantäne geschickt werden. Bei uns ermitteln die Gesundheitsämter mit ihrer 
Zettelwirtschaft etwa drei Kontaktpersonen, und das meistens, wenn das Virus 
schon weitergegeben wurde. Taiwan hat dieses Jahr 340.000 Menschen in Quarantäne 
geschickt und damit ein normales Leben mit Wirtschaftswachstum für 23 Millionen 
Bürger gesichert. Südkorea ist ähnlich konsequent und erfolgreich.

Genutzt werden in beiden Staaten (sprechen wir es ganz offen an) Instrumente des 
Überwachungsstaates. Quarantäne wird durch GPS-Verfolgung kontrolliert. Für die 
Kontaktermittlung sind Handydaten genauso offensiv im Einsatz wie die von 
Kreditkarten. Die deutsche Corona-App schützt im scharfen Kontrast dazu zwar 
unsere Daten, aber nicht vor dem Virus.“

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Und weiter: „Das sind nur die zwei offensichtlichsten Alternativen, die in der 
Debatte ausgeblendet werden. Schwedens Weg könnte sich schon in wenigen Wochen 
als der bessere erwiesen haben, falls die kontrollierte Ausbreitung im Sommer 
dem Land den Lockdown und den Kollaps des Gesundheitssystems im Winter erspart. 
In Afrika scheint Corona geradezu auszutrocknen. Das Phänomen nehmen wir kaum 
zur Kenntnis, obwohl es wie Schweden, Taiwan oder Südkorea Fragen für unsere 
Strategie aufwirft.“

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Bei uns dagegen werden in bester Tradition des Obrigkeitsstaates – die die 
deutsche Gesellschaft eben nie ganz abgeworfen hat – Debatten verhindert, 
Kritiker in soziale und politische Abseits gestellt, alternative Strategien nur 
als Verunsicherung wahrgenommen und daher von auch von den sehr an Sicherheit 
interessierten öffentlichen Medien und viel gelesenen Zeitungen oft nicht zur 
Kenntnis genommen oder sogar – Vorsicht Verschwörungstheorie – bewusst 
totgeschwiegen.

Vor allem die Gouvernanten-Tante „Zeit“ ist im Augenblick Angela Merkels beste 
Assistentin. Darüber ein andermal mehr.

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Zur Ideologie dieser Tage gehört, dass man bei 75 Prozent aller Infektionen mit 
Corona einfach nicht weiß, wo sie stattfinden. Man weiß aber, dass 25 Prozent 
aller Fälle vor allem in Privatwohnungen, auf Reisen, und auf der Arbeit 
stattfinden, und jedenfalls nicht in Kinos und Gastronomiebetrieben. Daraus 
schließt die Regierung nun, dass die 75 Prozent Unbekannte vermutlich im Kinos, 
Theatern, Museen und Gastronomiebetrieben stattfinden, außerdem im Schwimmbad 
und auf Sportplätzen. Darum macht sie genau diese zu.

Ideologisch daran ist zum einen, dass die Regierung ihr Nichtwissen einfach 
nicht eingestehen möchte. Zum zweiten, dass das Einzige was an dieser belegten 
und unbestrittenen Zahlen-Zusammenstellung sicher ist, kaum zum Thema gemacht 
wird: Die Tatsache nämlich, dass die Regierung nach Aussage der Kanzlerin in 75 
Prozent der Fälle einfach gar keine Ahnung hat, wo eine Infektion stattfindet.

Und dass sie sich mit der Schließung der Kulturstätten, Sportstätten und 
sogenannten Freizeiteinrichtungen (wie Bordellen) komplett auf Vermutungen 
verlässt – beziehungsweise dort schließt, wo sie den geringsten Widerstand 
befürchtet. Das ist nichts anderes als eine Voodoo-Gesundheitspolitik.

Sie wird scheitern: medizinisch wie politisch.

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Das Ergebnis können wir alle jetzt praktisch erfahren. Ich wage vorauszusagen, 
dass 1. der Lockdown nicht am 30. November beendet sein wird, dass 2. die 
Schulen noch vor Weihnachten auch geschlossen werden.

Ein bemerkenswertes Interview dazu heute im Deutschlandfunk 
https://www.deutschlandfunk.de/schulen-in-der-coronakrise-wechselunterricht-ist.694.de.html?dram:article_id=486821: 
Marlis Tepe von der Lehrergewerkschaft GEW (das steht nicht für „Gewerkschaft 
für Wechselunterricht“), bestätigte hier alle Klischees über faule Lehrer. Es 
ist schon bezeichnend, dass es Funktionäre der Lehrergewerkschaften sind, wie 
der GEW, die die ähnlich wie die Regierenden vor allem darüber reden, was alles 
nicht geht. Sie haben partout keinen Möglichkeitssinn, sie haben einen Angstsinn 
und Bedenkensinn. Die Lehrer betonen immer, was alles nicht funktionieren kann 
und warum dies und jenes nicht möglich ist. Sie scheinen nicht an die 
Gesellschaft zu denken, nicht über ihren Horizont hinaus zu denken. Denn die 
Einschränkungen in den Schulen haben auch ihren Preis und zwar einen schweren. 
Ich meine jetzt gar nicht die Tatsache, dass dann die Eltern zu Hause bleiben 
müssen und nicht arbeiten können, sondern den Preis in den Hirnen der Schüler 
und in ihren Seelen.

Ein hartes Interview aber ein gutes führte die DLF-Redakteuren Sandra Schulz. 
Allerdings möchte ich sehr gerne mal eine ähnliche Härte und ähnliche Arroganz 
und ähnliche Lust am Unterbrechen hören, wenn das nächste Mal ein Vertreter der 
Regierung wieder die neuesten Pandemie-Maßnahmen begründet.

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Jetzt wagt Boris Palmer in Tübingen einen eigenen Weg 
https://www.tuebingen.de/28331.html – und ein spannendes Experiment, dem man 
allen Erfolg wünscht: „Tübingen hat sich entschieden, Virus-Screenings auf 
Kosten der Stadtkasse durchzuführen und hat bisher jeden Einbruch des Virus in 
ein Heim verhindern können. Getrennte Einkaufszeiten, eigene Angebote für den 
ÖPNV, kostenlose Ausgabe medizinischer Masken – für den besonderen Schutz der 
Risikogruppe gibt es zahlreiche Konzepte, doch fast nichts davon wird bei uns 
umgesetzt. Und wieder liegt dies an einem Lockdown im Denken. Weil die 
Risikogruppe weitgehend identisch ist mit den Senioren, wird jede 
Differenzierung nach Risiko als Altersdiskriminierung abgekanzelt.“

Palmers „Tübinger Appell“ bedeutet: FFP2-Masken kostenlos für alle Senioren. 
Sichere Einkaufszeit für alle Senioren am Vormittag. Details hier 
https://www.n-tv.de/politik/Palmer-will-Fokus-auf-die-Senioren-legen-article22139556.html
und hier 
https://www.fr.de/politik/corona-coronavirus-tuebingen-oberbuergermeister-boris-palmer-gruene-bus-taxi-einkaufen-schweden-90087524.html
und hier https://www.gea.de/neckar-alb/kreis-tuebingen_artikel-t.

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Aber das wichtigste Thema ist zunächst einmal die US-Wahl. Ausnahmsweise stimmt 
es hier wahrscheinlich, dass die Amerikaner die Wahl haben zwischen Gut und 
Böse. Zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Wegen der Demokratie.

Der US-Korrespondent des Deutschlandfunks meinte zum Beispiel vor kurzem 
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/10/31/vor_der_us_wahl_donald_trumps_aussenpolitik_gespraech_dlf_20201031_1331_6dc1c729.mp3, 
dass wenn Trump noch mal gewinnen würde, die die Frage aufwerfen würde, „ob die 
USA überhaupt noch eine Demokratie bleiben, oder ob Donald Trump seinen 
autokratischen Impulsen derart freien Lauf lässt, das er dieses politische 
System aus den Angeln hebt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass den 
europäischen Beobachtern gar nicht so recht klar ist wie gefährdet die 
amerikanische Demokratie unter Donald Trump tatsächlich ist, denn seine erste 
Amtszeit war ein einziger Angriff auf das System der checks and balances.“

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Amerika ist Traum- und Projektionsmaschine. Unvergessen ist der erste 
Disney-Film (für mich „Schneewittchen“ im Autokino Hoechst), die erste „Micky 
Maus“, die Hemingway- und Fitzgerald-Lektüre als Jugendlicher, die frühe 
Faszination, die sich mit ablehnender Skepsis gepaart hat. Der Abscheu gegenüber 
der aggressiven Politik, vor allem nach Ende des Kalten Krieges, der Paranoia im 
Gefolge von 9/11, der noch größer dadurch wird, dass unsere europäischen 
Regierungen das alles kleinlaut mittragen.

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Ein tolles Angebot machen die Kollegen des Verleihs Grand-Film. Sie schreiben 
treffend: „mit Spannung und auch etwas Furcht blicken wir und die ganze Welt in 
Richtung USA, wo morgen die Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. (…) Als 
Kommentar zu den Wahlen in den USA – wie immer sie auch ausgehen werden – haben 
wir uns dazu entschlossen, Roberto Minervinis Dokumentarfilm „What You Gonna Do 
when the World’s on Fire?“ bereits morgen zur „Wahlnacht“ als Video on demand zu 
veröffentlichen. Beim Kinostart Ende Juli wurde diese eindrückliche 
Dokumentation von der Presse gefeiert und in zahlreichen Kinos gezeigt. Es 
standen für die nächsten Wochen noch weitere Kinotermine an, die aber vorerst 
durch den erneuten Lockdown ausfallen müssen.

Dieser Film ist nicht nur ein Kommentar oder ein Debattenbeitrag, er ist ein 
Kunstwerk des dokumentarischen Kinos, in wunderbarem Schwarzweiß gedreht und 
bestechend durch die unmittelbare Nähe zu seinen Protagonist*innen.

Der Film ist als Video on Demand ab morgen (Dienstag, 3. November 2020) um 20 
Uhr zum Preis von 4,99 Euro hier abrufbar https://vimeo.com/ondemand/wygdwtwof
(Der Link wird auch erst dann aktiviert wird). Am Freitag erscheint er außerdem 
bei Absolut Medien als DVD.

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Amerika ist nicht nur Mythos, es ist die Chiffre des schlechten Ganzen im 
inzwischen global gewordenen Kapitalismus.

Was man dazu lesen kann? Zum Beispiel Heiner Müller. „Der amerikanische 
Leviathan“ heißt ein Buch, das gerade bei Suhrkamp erschienen ist und Müllers 
Äußerungen zu Amerika, dem Kontinent der Kultur, dem Kino und der Politik, 
zusammenfasst.

Außerdem kluge Analysen in den „Blättern für deutsche und internationale 
Politik“ https://www.blaetter.de/. Und nicht weniger kluge Gedanken über den 
„Failed State“ USA https://www.konkret-magazin.de/in „Konkret“.

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Auch von mir gibt es zwei Texte zum Thema: Bereits jetzt steht auf Telepolis 
mein Text, warum ich optimistisch bin, und glaube, dass Biden morgen die Wahl 
gewinnen wird 
https://www.heise.de/tp/features/Warum-Joe-Biden-gewinnen-wird-4944678.html. 
Und auf Artechock kommt später ein Text darüber wie das US-Kino den Trumpismus 
vorhersagte. Viel Spaß in der Wahlnacht!

Bis Mittwoch!
Euer Crew United Team

Crew United - Lutz und Zenglein GbR
Fraunhoferstr. 6, 80469 München
Tel: +49 89 20244030

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