Verfasst am: Di Feb 07, 2012 11:21 pm Titel: ver.di FilmUnion - Newsletter 01/2012
ver.di FilmUnion - Newsletter 01/2012
Die ver.di FilmUnion (bislang BundesFilmVerband in ver.di) will mit diesem monatlichen Newsletter f?r bessere Information und Transparenz bei den Besch?ftigten der Produktionswirtschaft von Film- und Fernsehen sorgen. Insbesondere sollen hier film- und sozialpolitische Themen aufgegriffen werden. Die ver.di FilmUnion bildet das gewerkschaftliche Netzwerk von Film- und Kulturschaffenden sowie allen anderen an der Film- und Fernsehproduktion beteiligten Besch?ftigten. Sie tritt f?r Kunstfreiheit und gerechte Arbeitsbedingungen ein. Als vorrangiges Ziel strebt sie eine integrierte Interessenvertretung dieser Filmberufe in der zergliederten Branche gegen?ber Sendern, Produzenten und der Politik an:
http://www.verdi-filmunion.de
1. ?Abgedreht und abgelehnt? ? Politiker steuern nach und folgen gewerkschaftlichen Forderungen zur verk?rzten Anwartschaft!
2. ?ver.di FilmUnion? auf der Berlinale mit zwei Veranstaltungen: ?Die Medien von morgen ? sch?ne neue Arbeitswelt?? am 12.2. und ?FilmFr?hst?ck? am 11.2.
3. Der 18. Bericht der Finanzkommission KEF liegt vor ? vorl?ufig keine weitere Erh?hung der GEZ-Geb?hr
4. MDR und Udo Foht - und endlich ein Ende!
5. Meldungen
6. Impressum / Abo
1. ?Abgedreht und abgelehnt? - Politiker steuern nach und folgen gewerkschaftlichen Forderungen zur verk?rzten Anwartschaft!
Am 24.1.2012 pr?sentierte Prof. Dr. Andrea D. B?hrmann vom Institut f?r Soziologie an der Universit?t G?ttingen die Ergebnisse der von ihr ausgewerteten Studie zum ALG I-Bezug von Film- und Kulturschaffenden, die von der ver.di FilmUnion (bislang BundeFilmVerband BFV in ver.di) in Auftrag gegeben wurde. Im Anschluss an die Pr?sentation fand zum Thema der Umfrage eine Podiumsdiskussion statt, an der sich Vertreter aller Fraktionen beteiligten. Die Abgeordneten der jeweiligen Aussch?sse verk?ndeten einstimmig, sich einer verbesserten Neuregelung zu ?ffnen und zwar so bald wie m?glich. Die Regierungsfraktionen aus CDU und FDP wollen bereits jetzt handeln und eine Restriktionsgr??e ?ndern, namentlich die bisherige Begrenzung zur Bildung von Anwartschaftszeiten aus ?berwiegend Besch?ftigungen bis zu sechs Wochen auf 10 Wochen ausweiten. Uneinigkeit herrschte allerdings ?ber einige weiterf?hrende inhaltliche Fragen. Die ver.di FilmUnion hat das urspr?ngliche Gesetzgebungsverfahren noch als BundesFilmVerband in ver.di ma?geblich vorangetrieben und die Debatte bestimmt, weswegen die Koalition jetzt endlich reagiert hat. Die ver.di FilmUnion wird die ?nderungsdiskussion nun weiterhin begleiten, um zu gew?hrleisten, dass tats?chliche Verbesserungen implementiert werden.
Insgesamt lieferte die Studie dramatische Zahlen zum Thema ?Verk?rzte Anwartschaft? und deren Auswirkung auf die Branche! Der ALG I-Bezug nach der verk?rzten Anwartschaftszeit hat f?r die befragten Film- und Fernsehschaffenden nur eine geringe Bedeutung. Zwar hat die gro?e Mehrheit der Befragten in den letzten beiden Jahren immer wieder ALG I bezogen (73,7 Prozent), dies jedoch kaum auf Grundlage der verk?rzten Anwartschaftszeit. Gerade einmal 5,5 Prozent der Befragten konnten ALG I nach dieser Regelung beziehen. B?hrmann verdeutlichte die Missst?nde nun ausdr?cklich und hob die Brisanz der Ergebnisse in ihrer Pr?sentation hervor: ?Diese Umfrage innerhalb der Medienschaffenden besitzt eine ?bergeordnete Relevanz. Denn die Kreativwirtschaft ist der Prototyp f?r zuk?nftige Besch?ftigungsverh?ltnisse im ganzen Land und in vielen Sparten.? So g?be es heute bereits in der Wissenschaft und bei Leiharbeitern immer mehr lediglich projektbezogene, kurzfristig Besch?ftigte, die Regelung ?ber die verk?rzte Anwartschaft gelte aber f?r diese genauso wie f?r die Kreativen.
Die Ergebnisse der Befragung reichen weit in die Zukunft hinein. Denn, so B?hrmann weiter, die Besch?ftigungsstrukturen in der Film- und Fernsehbranche seien ein wichtiges Feld, besonders auch f?r die Erforschung untypischer Arbeitsverh?ltnisse. Da vielfach vermutet werde, dass solche Besch?ftigungsverh?ltnisse in Zukunft immer gr??ere Teile der Bev?lkerung betreffen werden, bestehe hier dringender Bedarf f?r umfassendere Forschungsarbeiten. Diese sollten insbesondere die Vernetzung zwischen Arbeitsbedingungen, sozialer Lage und sozialpolitischen Ma?nahmen genauer in den Blick nehmen. Wichtige Aspekte sind hierbei Inklusions- und Exlusionsprozesse und deren Abh?ngigkeit von Kategorien wie Geschlecht und soziale Herkunft.
Auch die politische Diskussionsrunde, die B?hrmanns Vortrag folgte, stellte die Wichtigkeit einer verbesserten Regelung heraus. Die Vertreter aller Parteien verk?ndeten einstimmig, sich dieser Neuregelung anzunehmen, und zwar ?noch vor Ablauf am 31. August dieses Jahres?, wie Gitta Connemann von der CDU versprach. Kein Konsens dar?ber erreichten die Diskutanten ?ber die L?nge der Befristungsdauer von Arbeitsverh?ltnissen bei der verk?rzten Anwartschaft. Die Koalitionspartner, Gitta Connemann und Reiner Deutschmann (FDP), stellten einen m?glichen Koalitionskompromiss vor, wonach die Befristungsgrenze der ?berwiegenden Arbeitsverh?ltnisse auf 10 Wochen angehoben werden, die Verdienstgrenze jedoch unangetastet bei der circa halben Beitragsbemessungsgrenze (momentan 30.240 ?/West) bleiben solle. Das Gesetz soll bis Ende Juli 2014 befristet sein, um dann erneut evaluiert und ggf. nachgesteuert zu werden. Ein Gesetzgebungsverfahren steht unmittelbar bevor.
F?r ver.di-Vertreter Matthias von Fintel greift dieser Ansatz zu kurz: ?Die von der Koalition beabsichtigten zehn Wochen sind ein gutes Signal, doch bin ich skeptisch ob dies ausreicht. Die ver.di FilmUnion tritt daher f?r eine Befristungsgrenze von mindestens 13 Wochen ein. Im ?brigen forderte auch die CDU dies noch in 2009, denn diese Obergrenze passt besser zur Arbeitsweise in der Filmbranche?, sagte von Fintel. Zudem kritisierte er die ?sinnfremde? Verdienstgrenze, die vollkommen unbegr?ndet und widerspr?chlich sei, ?weil keinem geholfen ist, wenn in zwei Jahren wieder nicht die beabsichtigte Wirkung festgestellt werden kann.? Diese willk?rliche Verdienstgrenze geh?re abgeschafft - zumindest auf die Beitragsbemessungsgrenze angehoben.
Brigitte Pothmer (Gr?ne) stellte das Modell ihrer Partei vor, das mit einer gestaffelten Anwartschaft und Leistungsdauer in einer ersten Stufe ab vier Monaten Anwartschaft innerhalb von zwei Jahren zu zwei Monaten ALG 1 f?hren solle; ohne weitere Bedingungen. Zudem solle es f?r bestimmte Gruppen eine zeitweilige Vermittlungspause w?hrend des ALG 1-Bezuges geben. Film- und Fernsehschaffende w?rden davon profitieren, denn sie seien meist nach einem Projekt nicht arbeitslos im klassischen Sinne, sondern br?uchten Zeit f?r die Akquise des n?chsten Jobs.
Die anschlie?enden Diskussionsbeitr?ge der anwesenden Betroffenen aus der Filmbranche best?tigten die Studienergebnisse und den n?tigen Handlungsdruck. Etliche Beispiele zeigten, dass die Befristungsgrenze viel zu niedrig angesetzt ist, beispielhaft bei einer Filmeditorin in einem viermonatigen Dokumentarfilm-Projekt oder einem Schauspieler in einem Tournee-Engagement, das mehr als drei Monate andauert. Beide etwas l?ngeren Projekte h?tten die Chance auf den ALG 1-Anspruch verhindert. Auch aus der Praxiserfahrung des Publikums wurde best?tigt, dass die Verdienstgrenze in der Tat zu niedrig sei, keinen realistischen ausk?mmlichen Jahresverdienst eines Film- und Fernsehschaffenden abbilde und absurderweise dazu f?hre, dass man trotz steigender Beitr?ge an die Arbeitslosenversicherung oder vielmehr wegen steigender Beitr?ge einen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 verliere.
2. ?ver.di FilmUnion? auf der Berlinale mit zwei Veranstaltungen: ?Podiumsdiskussion? am 12.2. und ?Filmfr?hst?ck? am 11.2.
Der Anlass f?r die Bekanntgabe der Umbenennung des BundesFilmVerbandes in ver.di FilmUnion war gut gew?hlt: die Berliner Urania in Sch?neberg. Die Berliner Gesellschaft Urania wurde 1888 gegr?ndet, mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zug?nglich zu machen. Zwar ist der neue Name nicht unbedingt eine wissenschaftliche Erkenntnis, aber seine schwere Geburt kommt der Entstehung wissenschaftlicher Errungenschaften gleich. Das samst?gliche FilmFr?hst?ck auf der Berlinale sowie die Diskussionsveranstaltung am n?chsten Tag, dem ersten Sonntag der Berlinale, sehen bereits die ver.di FilmUnion als ihren Veranstalter.
3. Der 18. Bericht der Finanzkommission KEF liegt vor ? vorl?ufig keine weitere Erh?hung der GEZ-Geb?hr
Am Dienstag, den 18. Januar ?bergaben Experten der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, ihren 18. Bericht an Kurt Beck, den Ministerpr?sidenten von Rheinland-Pfalz und Vorsitzenden der Rundfunkkommission der L?nder. Zum ersten Mal r?t die KEF darin, die Geb?hren nicht zu erh?hen, sondern sie bei 17,98 Euro pro Monat zu belassen. Doch diese Empfehlung ist nur vordergr?ndig eine Aufforderung zu rigidem Sparen.
Der ehemalige Unterhaltungschef des MDR Udo Foht, der seine fristlose K?ndigung durch den Sender nicht akzeptieren wollte, ging am 20.01.1212 Januar auf dem Leipziger Arbeitsgericht dagegen vor. Am Ende der Verhandlung verglich er sich mit seinem Sender: Sein Vertrag endet r?ckwirkend zum 31. Dezember 2011, dazu gibt es ein wohlwollendes Zeugnis vom MDR. Foht hat ?ber Jahre immer wieder von Produktionsfirmen und Einzelpersonen im Namen und auf Rechnung des MDR Kredite eingeworben. Doch damit will er nur Entwicklungskosten f?r k?nftige TV-Produktionen oder K?nstlergagen zwischenfinanziert haben. Anders sei das nicht zu machen gewesen und beim MDR jedenfalls so ?blich, sagte Foth, der seit den 1970er Jahren zun?chst beim DDR-Fernsehen und dann ab Sendergr?ndung 1992 beim MDR in Bereich Unterhaltung arbeitete. Er f?hlte sich ma?geblich verantwortlich f?r die Erfolge des MDR.
Hochwertige Dokumentarfilme ab sofort und ganz legal online zu sehen:
ZEIT ONLINE und Doc Alliance zeigen hochwertige Dokumentarfilme kostenlos und in voller L?nge im Internet! Seit dem Wochenende zeigt ZEIT ONLINE den mehrfach pr?mierten Dokumentarfilm (u.a. Europ?ischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis) ?Workingman`s Death? von Michael Glawogger. Der Film wird f?r vier Wochen kostenfrei in voller L?nge im Videobereich von ZEIT ONLINE www.zeit.de/video zu sehen sein. Der Film ist Teil einer Reihe von Dokumentarfilmen, die in Zusammenarbeit mit dem Filmportal Doc Alliance Films www.dafilms.com gezeigt werden. Hinter Doc Alliance stehen sechs europ?ische Dokumentarfilmfestivals (CPH:DOX Copenhagen, DOK Leipzig, FID Marseille, IDFF Jihlava, Planete Doc Review Warschau und Visions du R?el Nyon).
Neuer Tarifvertrag f?r Film- und Fernsehschaffende jetzt online:
Der am 1. Januar in Kraft getretene Tarifvertrag f?r Film- und Fernsehschaffende, die auf Produktionsdauer besch?ftigt sind, steht auf der connexx.av-Seite zum Download bereit. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis 31. Dezember 2013. Die Gagenanhebungen werden ab 1.7.2012 und ab dem 1.1.2013 wirksam. Ebenfalls online stehen der Tarifvertrag f?r Besch?ftigte in den technischen Betrieben f?r Film und Fernsehen (VTFF) und der Tarifvertrag f?r Besch?ftigte in Unternehmen des privatrechtlichen Rundfunks (TPR). Beide werden gerade neu verhandelt!
Erscheinungsdatum: Der ver.di-FilmUnion-Newsletter erscheint grunds?tzlich am Ende eines Kalendermonats. Aus Termingr?nden sind Verschiebungen des Versandes nicht auszuschlie?en. Wenn Sie den ver.di-FilmUnion-Newsletter kostenlos erhalten wollen, melden Sie sich bitte pers?nlich an unter http://www.connexx-av.de/publikationen_newsletter_bfv.php.
Bei Fragen, Anregungen oder Kritik erreichen Sie uns unter:
connexx.av GmbH
c/o ver.di Fachbereich Medien - Hamburg
Olaf Hofmann
Besenbinderhof 60
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fon: 040.2858-4151, fax: 040.25328815
mail: olaf.hofmann@connexx-av.de
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