Verfasst am: Sa Apr 17, 2010 4:00 am Titel: Schwarz-Gelb gibt Theater "Todesstoß"
Gehört. gelesen, zitiert:
01.03.2010
Schwarz-Gelb gibt Theater "Todesstoß"
400 Schauspieler, Musiker, Bühnentechniker und Theaterfreunde demonstrierten vor Landtag – doch der will nicht zahlen
27. Februar 2010 | Von Michael Stitz
Alle Proteste helfen nichts: Die schwarz-gelbe Regierung im Kieler Parlament fordert einen massiven Sparkurs für das Landestheater.
(…) Rund 400 Mitarbeiter des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, aber auch der Bühnen Kiel und Lübeck sowie zahlreiche Theaterfreunde waren mit Protestplakaten, Trommeln, Trompeten, Posaunen und einer Menge Frust vor das Parlament gezogen, um die Volksvertreter für ihre Sache, das Theater, zu begeistern. Denn gestern Mittag wollte der Landtag über Rettungsmodelle für das kurz vor der Insolvenz stehende Landestheater debattieren.
Knapp 30.000 Unterschriften hatten die musikalischen Demonstranten zuvor dem Landtagspräsidenten Thorsten Geerdts überreicht. Unterschriften, die sich für den Erhalt des Landestheaters in seiner bisherigen Form einsetzen. Stimmgewaltig und berührend sangen sie dann aus Wagners Meistersingern "Ehrt die deutschen Meister", beschworen in Reden, dass sich der Landtag bei den Kommunalen Spitzenverbänden (Städteverband, Gemeindetag und Landkreistag) für die erneute Dynamisierung der so genannten FAG-Mittel einsetzen möge. Geld, das ihnen erlauben würde, das Landestheater auf dem bisherigen personellen und künstlerischen Niveau weiterleben zu lassen. Denn ohne diese Erhöhung sind tiefe Einschnitte in die Struktur unvermeidbar, müssen Entlassungen vorgenommen werden, wird das Landestheater zumindest im Musik bereich so beschnitten, dass es keine großen Konzerte und Opernaufführungen realisieren kann.
Es bleibt ein "amputiertes Haus"
Doch wie sich einige Stunden später heraus stellen sollte, halfen weder schöner Gesang, Trommelwirbel oder Reden - der Landtag stimmte einem Antrag der CDU/FDP zu, der von allen drei Theatern des Landes einen "Business-Plan" fordert, aber keinerlei weitere Zuwendungen zugesteht. Die Gespräche mit den Kommunalen Spitzenverbänden über die Wiedereinführung der Dynamisierung der FAG-Mittel, sagte Kulturminister Ekkehard Klug (FDP), sind in diesem Punkt gescheitert. Das Land selbst, so der Minister weiter, sieht sich nicht in der Lage, seine Theaterzuschüsse von bisher 36,7 Millionen Euro für alle drei Bühnen "in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage, in der alle sparen müssen" zu erhöhen.
Der Antrag von SPD, Bündnis 90/Grüne, SSW und Linke ging davon aus, dass sich die Kommunalen Spitzenverbände in Verhandlungen mit der Landesregierung sehr wohl zu einer auf drei Jahre befristeten Wiedereinführung der Dynamisierung bereit erklären könnten. Ähnlich wie der Antrag der Regierungsparteien sah aber auch der der Opposition vor, dass das Landestheater innerhalb dieses Zeitraums "seine Organisations- und Marketingstrukturen auf den Prüfstand stellt" und die Zusammenarbeit mit den Bühnen in Kiel und Lübeck prüft. In der Landtagsdebatte widersprachen sich die Vertreter von Regierung und Opposition, was die endgültige Haltung der Kommunalen Spitzenverbände in der Theaterfrage betrifft. (…)
Verfasst am: Sa Apr 17, 2010 4:04 am Titel: Die Kunst der Kulturpolitik
Von Christoph Munk Die Kunst der Kulturpolitik
Kultur kann von Politikern nicht allzu viel verlangen. Auf keinen Fall künstlerisches Urteilsvermögen.
Aber auch Kenntnisse darüber, wie der komplexe Bühnenbetrieb eines öffentlich geförderten Dreispartenhauses funktioniert, dürfen anscheinend nicht erwartet werden. Die gestrige Theaterdebatte im Landtag bot dafür wieder ein lehrreiches Beispiel.
Wer, wie der CDU-Kultursprecher, pauschale Kritik am Finanzgebaren der Landesbühne übt, hat offensichtlich nicht mitbekommen, dass dort die Etats schon längst geradezu waghalsig schlank gespart sind. Wer, wie eine FDP-Abgeordnete, von den Theatern endlich "Business-Pläne" fordert, hat übersehen, dass alle Häuser längst ihren Aufsichtsgremien entsprechende Papiere vorlegen müssen. Und wer von der großen Strukturreform redet, kann sich wohl nicht erinnern, dass gerade die Theaterlandschaft des Landes schon vor Jahren gründlich nach Spareffekten durchforstet wurde. Wer aber als Fachminister Wettbewerbselemente und Erfolgsquoten für künstlerische Produktionen fordert, verkennt völlig, dass gerade Kulturförderung von diesen Kriterien frei sein muss. (…)
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.