Verfasst am: Fr Jan 22, 2010 4:13 am Titel: Aktionstag für die Wuppertaler Bühnen...
Liebe Schauspieler, Sänger, Musiker, Tänzer!
Wie Sie sicher wissen, steht es um den Bestand der Wuppertaler Bühnen in ihrer
jetzigen Form schlecht. Ein Haushaltssicherungskonzept der Stadt Wuppertal
sieht eine Kürzung des Etats um 2 Millionen Euro bis 2014 vor. Ein Beschluss über
dieses Konzept im Rat der Stadt wird im Juni 2010 gefasst.
Wir tun im Moment alles, um zu zeigen, was die Realisierung dieses Konzeptes
bedeuten würde: die existenzielle Bedrohung des gesamten Spielbetriebs von
Schaupiel und Oper in seiner jetzigen Form. Die Entscheidung darüber, wie es in
Zukunft mit den Wuppertaler Bühnen weitergeht, ist beispielgebend für die anderen
Theater in NRW und im Bund.
Wir veranstalten am 30. Januar 2010 einen Aktionstag, zu dem wir alle Theater in
NRW einladen möchten. Ziel soll es sein, mit uns die Interessen der Theater in NRW
und der Städte, die drohen, ihre Theater zu verlieren, deutlich zu machen.
Am Abend dieses Aktionstages wird es ein Podiumsdiskussion über die Lage der
Theater in NRW geben, die mit Vertretern (nicht nur) der Kulturpolitik in Wuppertal
und des Landes, einzelner Repräsentanten der Theater, der Kulturkritik, Experten in
Sachen Kommunale Finanzen kompetent besetzt sein soll.
Davor werden wir 24 Stunden Theater machen: ab Freitag den 29. Januar nach
unserer Premiere „Fleisch ist mein Gemüse“ im Kleinen Schauspielhaus. Wir laden
Sie dazu ein, nach Wuppertal zu kommen und zu spielen, zu improvisieren, zu
tanzen, zu singen. Wir möchten die Kraft des Spiels beweisen: Spiel gegen das
leichtfertige Verspielen von gedanklichen Freiräumen, die die Theater beanspruchen
und die die Gesellschaft braucht. Es gilt Gegenentwürfe zu liefern gegen eine
finanzpolitische Logik, die sich kultur- und bildungspolitisch fatal auswirkt.
Wir werden uns Improvisationen ausdenken und Ihnen vorschlagen. Sie können auch
etwas Vorbereitetes mitbringen, ein Tanzstück, ein Lied, eine Szene. Was wir nicht
können, ist, darauf mit Bühnenbild, Requisiten, Vorbereitungszeiten und Proben zu
reagieren. Es soll ohne Pause gespielt werden, Spielleiter unseres Hauses werden
den Spielfluss beobachten, eingreifen, motivieren, Ideen geben. Für Catering ist
gesorgt, Musikinstrumente sind da und die Lust unsererseits, mit Ihnen eines der
längsten Theaterstücke, die je gespielt wurden, herzustellen. Hier lebt das Spiel.
Johannes Blum, Dramaturgie Wuppertaler Bühnen
Tel. 0202 / 563 76 22
mobil 0179 / 683 12 87
e-mail johannes.blum@wuppertaler-buehnen.de
Melden Sie sich! Wir besprechen dann mit Ihnen alle offenen Fragen.
DANKE!
Zuletzt bearbeitet von Michael am Fr Jan 22, 2010 4:19 am, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am: Fr Jan 22, 2010 4:17 am Titel: die Theater sollen es mal wieder ausbaden...
Lieber Uwe Michael Wiebking,
den Kommunen brechen aufgrund der Wirtschaftskrise die Steuereinnahmen
weg und die Theater sollen es mal wieder ausbaden:
WUPPERTAL IN GEFAHR
Die Wuppertaler Stadtverwaltung will aus Kostengründen das Kleine
Schauspielhaus 2012 schließen. Und hinter der Zukunft der Wuppertaler
Bühnen insgesamt steht ein großes Fragezeichen. Was für ein Wahnsinn:
Theater macht reich - sowohl die Seelen der Menschen in einer Stadt als
auch das Stadtsäckel, denn es gibt ja nun wirklich genug Studien, die
belegen, dass jeder investierte Kultur-Euro mehrfach in die Stadtkasse
zurückfließt.
BEIM AKTIONSTAG MITMACHEN
Johannes Blum, Dramaturg der Wuppertaler Bühnen, lädt alle Theaterjobber
ein, sich mit Ihrer Kunst an einem Aktionstag in Wuppertal am 30. Januar
aktiv zu beteiligen. Spielen Sie in Wuppertal mit und setzen Sie ein
Zeichen gegen das leichtfertige Verspielen von Kulturräumen! Den ganzen
Aufruf finden Sie hier.
Selbstverständlich können Sie auch einfach nur kommen und zuschauen -
der Eintritt ist frei. Das Programm für "Die 24 Stunden von Wuppertal"
gibt es hier zum Download.
UNTERSCHREIBEN
Wenn Sie am 30sten Januar nicht in Wuppertal sein können, gibt es
trotzdem eine Möglichkeit, Ihre Solidarität mit den Wuppertaler Kollegen
zu demonstrieren: bitte unterschreiben Sie hier http://www.wuppertaler-buehnen.de/index.php?id=933 für den Erhalt der
Wuppertaler Bühnen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Wenn wir zusammenhalten und der Politik zeigen, dass wir da sind und
laut sind und für den Erhalt unserer Kultur kämpfen, werden wir Vieles
erreichen!
Viele Grüße und toitoitoi für alle Ihre Projekte wünscht
Sören Fenner und das theaterjobs-Team
P.S.: Senden Sie diese Mail bitte an alle weiter, die sich dafür
interessieren könnten.
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www.theaterjobs.de
Der Theater-Stellenmarkt im Internet
Schomburgstr. 118 A
22767 Hamburg
Deutschland
fon: +49.40.87872225
fax: +49.40.38017884140
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Verfasst am: Mi Feb 03, 2010 4:58 am Titel: Theaterschließung in Wuppertal - Weggespart
Gehört, gelesen, zitiert:
Theaterschließung in Wuppertal
Weggespart
Ein erster Theatertod in der Krise: Das Beispiel Wuppertal
Das Schauspielhaus in Wuppertal
Nein, Wuppertal steht nicht am Abgrund; allerdings kann man ihn von dort ziemlich gut sehen. Die Stadt hat 1,8 Milliarden Euro Schulden, ihr droht das Ende der Selbstverwaltung. Der Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) hat nun ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) vorgelegt, das unter dem Motto »Sparen, um zu gestalten« steht. Man liegt nicht falsch, wenn man »Sparen« durch »Abschaffen« ersetzt. Dicht gemacht werden Bibliotheken, Schulen und das städtische Theater. Indem man das Theater schließt, spart man zwei Millionen Euro pro Jahr. Das sind, mit Hilmar Kopper gesprochen, Peanuts.
Einer der glorreichsten Vorschläge des Wuppertaler Haushaltssicherungskonzepts besteht darin, die Radaranlagen demnächst im Zweischichtbetrieb einzusetzen. Davon erhofft man sich bedeutende Einnahmen. Nur, bitte, wer soll künftig mit überhöhter Geschwindigkeit in die Wuppertaler Radarfallen rauschen, aus Angst, den Beginn einer Vorstellung, aus Angst, irgendetwas zu verpassen, wenn es bald nichts mehr zu verpassen gibt? Das Wuppertaler Theater jedenfalls ist so gut wie tot. Und wenn ein Theater erst mal geschlossen ist, wird es nie wieder eröffnet werden. Ein anderes ungeschriebenes Gesetz lautet: Eine Stadt, die ihr Theater schließt, gibt sich selbst auf.
Wuppertal wird bald eine verkehrsberuhigte Stadt sein. Rettungsschirme, wie sie den Banken zugute kommen, werden sie nicht schützen. Steuersenkungen, welche die Regierung verspricht, werden ihr nicht helfen. Wo bleibt der Rettungsplan für Not leidende Kommunen? Eine bedeutende Maßnahme hätte das Wuppertaler Haushaltssicherungskonzept sicher gern in Angriff genommen: die Erhöhung der Alkoholsteuer. Das geht leider nicht, denn diese Steuer ist Sache des Bundes. Alkohol aber wird man brauchen; man braucht ihn am dringendsten dort, wo sonst nichts los ist.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Dies ist kein Artikel gegen Wuppertal. Auch andere Städte erwägen rabiate Eingriffe in ihr Kulturleben: etwa das reiche Stuttgart und das hochmütige Hamburg. Wuppertal geht nur voran. Von dort aus hat man den besten Blick in den Abgrund. Manche sagen auch: in die Zukunft.
Verfasst am: Mi Feb 03, 2010 5:34 am Titel: »Wir wollen ins Theater!«
Gehört. gelesen, zitiert:
Von Lutz Debus 01.02.2010 / Feuilleton
»Wir wollen ins Theater!«
Protest gegen Kulturabbau in Wuppertal – Gruß von Wim Wenders
Auf den ersten Blick sah die Menschenmenge aus wie ein Karnevalsumzug. Aber Wuppertal ist stockevangelisch. Trotzdem säumten Maskierte die vielbefahrene Bundesallee. Eine fantasievoll kostümierte Frau Mahlzahn aus der Kindergeschichte »Jim Knopf« verteilte Flugblätter. Oberschülerinnen waren als Vampire und Prinzessinnen verkleidet. Ein Rotarmist trug ein Plakat mit der Aufschrift »Theater macht reich!«
Vor dem Schauspielhaus hatten sich am Samstagnachmittag insgesamt etwa 2000 Demonstranten versammelt, um für den Erhalt ihres Theaters zu demonstrieren. Aus allen Teilen von Nordrhein-Westfalen waren zusätzlich Ensembles angereist, um ihre Solidarität mit den Wuppertaler Schauspielkollegen auszudrücken. Anfang Dezember vergangenen Jahres bereits hatte der Bürgermeister der Bergischen Metropole Peter Jung (CDU) eine Streichliste veröffentlicht, um den völlig defizitären Stadthaushalt in den Griff zu bekommen.
Neben der Schließung von Schwimmbädern und der Streichung von Zuschüssen an sozialen und kulturellen Einrichtungen steht seitdem das Sprechtheater von Wuppertal zur Disposition. zwei Millionen Euro weniger soll das Städtische Theater an kommunalen Zuschüssen jährlich bekommen. Das Gebäude soll entgegen bisheriger Planung nicht mehr renoviert werden. Stattdessen will die Stadt den unter Denkmalschutz stehenden Theaterbau aus dem Jahr 1966 schließen. Das Ensemble soll, so die bisherige Planung, aufgelöst werden.
Bereits am Freitag begann die Protestaktion mit einer 24-stündigen Vorstellung, die von dutzenden von Theatergruppen aufgeführt wurde. So war bereits vor der eigentlichen Kundgebung das Haus berstend voll. Als erste Rednerin brandmarkte dann am Samstagnachmittag Ines Colsman von dem Aktionsbündnis »Wuppertal wehrt sich« die Sparpläne der CDU-SPD-Mehrheit im Stadtrat. Man habe Tags zuvor bereits ein riesiges Transparent an das Rathaus angebracht, auf dem ein Geier abgebildet ist. »Dieser Pleitegeier hat Hunger auf Schulen, auf Schwimmbäder und auf unser Schauspielhaus«, erklärte Colsman.
Im Anschluss trat Mechthild Großmann ans Rednerpult. Die dem Wuppertaler Theater verbundene Tänzerin und Schauspielern, vielen bekannt in der Rolle der unbarmherzigen Staatsanwältin im »Tatort Münster«, erinnerte zunächst an die Eröffnung des Hauses vor 44 Jahren, die sie als junge Frau miterlebt hatte. Heinrich Böll habe damals seine vielbeachtete Rede »Die Freiheit der Kunst« gehalten. Zynisch kommentierte die Schauspielerin die Aussage des für die Einhaltung der Haushaltsgesetze zuständigen Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow (SPD), der die Stadt wegen ihres Mutes, das Schauspielhaus zu schließen, beglückwünscht hatte. »Früher entschuldigten sich Politiker, wenn sie kulturelle Einrichtungen schlossen. Inzwischen wollen sie sogar dafür gefeiert werden«, erklärte Großmann.
Holk Freytag, Präsident für die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, hob die bundesweite Bedeutung der Schließungspläne hervor. Wenn das Schauspielhaus Wuppertal schließe, könne dies Signalwirkung auf viele klamme Kommunen haben. Viel Beifall erhielt eine Schülervertreterin, die die Bedeutung des Theaters für junge Menschen hervorhob. »Die Stücke, die wir für unsere Abiturprüfung lesen müssen, werden hier mit Leben gefüllt.« Gerade in der vergangenen Spielzeit hätten sich vermehrt Schulklassen und auch Jugendgruppen für das Schauspiel interessiert. »Wir wollen nicht immer vor dem Computer hocken. Wir wollen ins Theater!«, rief die Gymnasiastin in die begeisterte Menge.
Viele Prominente haben sich inzwischen für den Erhalt des Schauspiels in Wuppertal ausgesprochen Wim Wenders schickte ein Grußwort. Die aus dem benachbarten Solingen stammende Veronica Ferres erklärte schon im Vorfeld, dass sie von den Schließungsplänen entsetzt sei. Was nach Schließung des Hauses aus dem architektonisch wertvollen Gebäude werden soll, ist bislang unklar. »Vielleicht ein Parkhaus«, scherzte ein Schauspieler während des Theatermarathons. Mechthild Großmann hatte eine andere Idee: »Sie werden hier einen Baumarkt einziehen lassen.«
Protesterklärung der Wuppertaler Bühnen zum Kürzungsvorschlag der Stadt
Geplante Zuschusskürzungen von 2 Millionen Euro
In vielen Artikeln der deutschen Tagespresse wurde über die Pläne zur Kürzung des Zuschusses der Wuppertaler Bühnen berichtet. Wir freuen uns über die große Anteilnahme und das Engagement der vielen Menschen aus dem ganzen Land. Auch über die engagierten Stimmen, die die weltweit einzigartige Theaterkultur der Bundesrepublik Deutschland dringendst erhalten möchten. Der Wuppertaler Sparvorschlag ist noch kein Beschluß. Er ist in der Konsequenz für das ganze Haus ein gemeinsames Thema. Daher haben wir zum genauen Hinschauen auf den Sachverhalt für Sie noch einmal die Fakten klar formuliert:
Die Wuppertaler Stadtverwaltung hat am 17. November 2009 ein Konzept zur Haushaltssicherung vorgelegt, das weitgehende Einschnitte in allen Haushaltsbereichen vorsieht. Für die Wuppertaler Bühnen soll danach der Betriebskostenzuschuss bis 2014 um 2 Millionen Euro abgesenkt und die geplante Sanierung des derzeit geschlossenen Schauspielhauses ersatzlos gestrichen werden. Die als Provisorium im Schauspielhaus-Foyer eingerichtete Spielstätte KLEINES SCHAUSPIELHAUS soll 2012 wieder geschlossen werden. Das gesamte Schauspielhaus steht als Spielstätte dann auf Dauer nicht mehr zur Verfügung. Bereits jetzt teilen sich beide Sparten für ihre großen Produktionen die Bühne des Opernhauses mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Bereits ab 2012 käme es im Zuge der geplanten Sparmaßnahmen zu erheblichen Einschränkungen des Spielbetriebes und zu drastischen Einschnitten bei den Spielplänen.
Die Maßnahmen des Haushaltssicherungskonzeptes sollen im Juni 2010 vom Rat der Stadt verabschiedet werden. Sollten die Vorschläge der Stadtverwaltung tatsächlich realisiert werden, wäre das Ende des traditionsreichen Wuppertaler Ensemble- und Repertoirebetriebes in Oper und Schauspiel besiegelt.
Die Aktionen gehen weiter und hier gehts zur Unterschriftenliste:
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