Die Proben zu "Berlin Alexanderplatz" haben begonn

 
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: So Aug 23, 2009 4:09 am    Titel: Die Proben zu "Berlin Alexanderplatz" haben begonn Antworten mit Zitat
Berlin Alexanderplatz, von Alfred Döblin

Die Form

Berlin Alexanderplatz ist in vielfacher Hinsicht ein moderner Roman: Nicht nur die Abkehr von traditionellen Helden und der chronologisch erzählten Fabel machen ihn dazu, sondern auch die Verwendung neuartiger Mittel des Erzählens (Bewusstseinsstrom, innerer Monolog,erlebte Rede) und die häufig eingesetzte Montagetechnik.
Montage ist das Gegenteil der Vermittlung. Eine verwendete Montagetechnik ist das Zitieren der Wirklichkeit durch Dokumente. Zum Beispiel werden Straßenbahnlinien und Schilder genau mitgeteilt. Der Erzähler tritt hierbei zurück; die Wirklichkeit wird als Dokumentation wahrgenommen. Die Extremform dieser Dokumentation ist der Zahlenrealismus und verwendete Statistiken und Listen.
Die Figurendarstellung und die personale Figurenperspektive ist ein weiteres Element der Montagetechnik. Das Figurenbewusstsein ist wie ein Spiegel der Umwelt. Die Figur dient als Schirm auf dem sich das Leben der Großstadt abbildet. Das Figurenbewusstsein ist aus Klischees aufgebaut. Lieder werden als Verstärkung dieser Klischees verwendet.
Auch der holzschnitthafte Bänkelsängerton zu Beginn jedes Buches wird zur Montagetechnik mit hinzugerechnet. Dieser Bänkelsängerton reicht teilweise bis in den Text hinein. Hier erfolgt eine Verschiebung mit der Figurenperspektive. Es wird eine radikale Entfernung vom realistischen und authentischen Erzählen bewirkt.
Die Auffassung der Wirklichkeit wird teilweise durch einen naturwissenschaftlichen Objektivismus vermittelt. Auch das zählt zur Montagetechnik.
Im Roman und den verwendeten Techniken steckt ein soziales Engagement bzw. eine soziale Botschaft. Die von Döblin verwendete Darstellungsweise erfolgt zeitgleich mit Brechts Entwicklung des epischen Theaters.

Die Hauptperson

Franz Biberkopf ist 1,80 groß und kräftig gebaut. Zeitweise ist er fast zwei Zentner schwer und Mitglied eines Athletenklubs. Vor seiner Inhaftierung war er als Zement- und Möbeltransportarbeiter tätig. Er ist ein grober Mann und hat ein abstoßendes Äußeres. Überwiegend wird sein Charakter positiv gezeichnet. Immer wieder gilt Franz als gutmütig, treuherzig, friedfertig und naiv. Ein Charakterzug, der besonders auffällt, ist die Treue, die Franz seinen Freunden hält. Gegenüber Reinhold steigert sie sich allerdings zu blinder Ergebenheit.
Schon im Vorwort ist jedoch von einer negativen Entwicklung die Rede, die als hochmütig und ahnungslos, frech, dabei feige und voller Schwäche umschrieben wird. Er prahlt gern vor seinen Freunden, zugleich hat er Angst, seine Freunde könnten ihn verspotten, wenn ihm etwas Unangenehmes passiert. Franz rappelt sich zwar immer wieder auf, gelegentlich zeigt er aber doch auch Selbstmitleid. Sein größtes Problem ist sein Umgang mit Alkohol, ebenso wie der mit Frauen, weswegen er am Anfang aber auch am Schluss der Geschichte nach Tegel ins Gefängnis muss.

Die Verfilmungen

Der Roman wurde 1931 von Piel Jutzi unter dem Titel Berlin–Alexanderplatz erstmals verfilmt. Heinrich George spielte den Franz Biberkopf. Weitere berühmte Darsteller waren: Bernhard Minetti, Albert Florath, Hans Deppe und Käthe Haack.
1979/80 drehte Rainer Werner Fassbinder nach dem Döblin-Stoff eine Fernsehserie in 13 Episoden und einem Epilog (ca. 930 Min., siehe Berlin Alexanderplatz (Fernsehverfilmung)). Sie wurde 1980 erstmals ausgestrahlt. Günter Lamprecht ist Franz Biberkopf. Auf der Berlinale 2007 wurde erstmals eine aufgehellte restaurierte Fassung gezeigt. In der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wurde der gesamte Film, mit lediglich drei etwa 15 minütigen Pausen, vorgeführt. Außerdem brachte die Süddeutsche Zeitung eine DVD-Edition der restaurierten Fassung heraus.

Der Roman

Der Roman von Alfred Döblin erschien 1929. Das Werk ist der bisher bedeutendste deutsche Großstadtroman. Erzählt wird die Geschichte eines gutwilligen, aber schwachen "kleinen Mannes", den dunkle, ungreifbare Mächte und Kräfte in ständiger Abhängigkeit halten, bis er am Ende seines Lebens endlich zur Besinnung kommt, seinen "alten Menschen" weg wirft und von nun an seine "Vernunft" zu gebrauchen beschließt. Die als ein Pandämonium geschilderte Großstadt der Weimarer Republik aus Häusergewirr und Menschentrubel, Zeitungs- und Reklamegeschrei, unterirdisch brodelndes Verbrechertum, Schlachthausdunst und Jazzrhythmen, Hurenwinkel und Kaschemmenphilosophie, Zuhälterpack, Flittermoral und strahlender Lichterglanz ist der eigentliche Gegenspieler des ehemaligen Transportarbeiters Biberkopf, der aus dem Zuchthaus kommt und nun beschließt, "anständig zu sein". Ehrlich will er bleiben, wenn er als Straßenhändler und Zeitungsverkäufer am Berliner Alexanderplatz steht, in Bierschwemmen, Tanzlokalen und Zuhälterkaschemmen seine Abende verbringt, und ist doch, ohne es selbst zu wissen, schon verloren. Denn "verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verlässt«, das ist das Leitmotiv des Romans. Biberkopf, immer auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit, verlässt sich auf den Ungeeignetsten, einen skrupellosen Verbrecher, dessen dämonischer Macht er hörig wird. Er lässt sich von seinem neuen "Freund" Reinhold im Tauschhandel mit Frauen versorgen, wird in Verbrechen hineingezogen, verliert dabei einen Arm, weil der "Freund" den gefährlichen Mitwisser unter ein Auto stößt, und gelangt schließlich zu der Überzeugung, dass das Anständig bleiben in dieser Welt nicht lohne. Er sucht und findet eine "Braut" und wird ihr Zuhälter; jetzt arbeitet er nicht mehr und macht wieder dunkle Geschäfte. Doch Freund Reinhold, der Dämon der Unterwelt und immer auf Biberkopfs Spuren, raubt ihm die Geliebte, vergewaltigt und erwürgt sie. "Ganz aus ist es mit dem Mann Franz Biberkopf", der als vermeintlicher Täter verhaftet wird: Er bricht zusammen und kommt in die Irrenanstalt. Nach dem Prozess der die Wahrheit zutage fördert, kann er vor Erschöpfung kaum noch nach Hause gehen, doch ist ihm nun endlich der "Star gestochen": "Man fängt nicht sein Leben mit guten Worten und Vorsätzen an, mit Erkennen und Verstehen fängt man es an und mit dem richtigen Nebenmann." (Deutsches Historisches Museum, Berlin www.dhm.de

Die Stück-Thematik

Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist das erste deutsche Großstadt-Theaterstück von literarischem Rang. Das Berlin der zwanziger Jahre ist der Schauplatz des Geschehens. Die Großstadt selbst wird zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der dieser verlockenden, aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht. Hier wird nicht nur ein Einzelschicksal analysiert, sondern das kollektive Geschehen, das Allgemeine der menschlichen Situation in einer Zeit, welche der heutigen sehr ähnelt.
In Berlin Alexanderplatz wird das „Gemeinwesen einer Großstadt“ dargestellt. Man erfährt nicht nur Parallelen, sondern auch eine unglaubliche gültige dichterische Gestaltung. Das Werk zählt zu den großen Stoffen unserer Zeit.
Der Alexanderplatz, im Herzen Berlins gelegen. Nur wenn man lange genug auf ihm bleibt, trifft man zwangsläufig auf alte Freunde, Feinde und Bekannte. Am Alexanderplatz trifft Franz Biberkopf auf die Schwester der Frau, welche er vor vier Jahren tötete.

Die Besetzung:

Franz Biberkopf: Peter Rauch, Justizbeamter: Uwe Michael Wiebking, Arzt: Rimbert Spielvogel, Passant: Reinhard Horras, Meck: Andre Edelblut, Lüders: Rimbert Spielvogel, Witwe: Ingrid Richter, Wirt: Reinhard Horras, Frau: Karin Kiurina, Mann: Andreas Edelblut, Reinhold: Rainer Etzenberg, Pums: Reinhard Horras, Klempner Karl: Rimbert Spielvogel, Maxe: Andreas Edelblut, Herbert: Uwe Michael Wiebking, Eva: Karin Kiurina, Mietze: Nele Hollinderbäumer, Untersuchungsrichter: Andreas Edelblut, Kriminalbeamter in Zivil: Reinhard Horras, Tod: Rainer Etzenberg.

Der Stab:

Inszenierung: Manfred H. Greve, Bühne: Horst Strasser, Kostüme: Lilo Wiebking, Regieassistenz, Produktionsleitung, Tourneeleitung: Reinhard Horras, Souffleuse: Christina Rode-Lindner, musikalische Einstudierung: Wittwulf Y. Malik, Technische Leitung, Bühne, Licht: Norbert Joest, Requisite, Ton, Garderobe: Ingrid Richter, Stückeinführung zu den Vorstellungen: Rimbert Spielvogel

Die PREMIERE:

26. September 2009 im Sachsenwald-Forum Reinbek, siehe auch Tourneeplan.pdf: www.uwemichaelwiebking.de
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