Verfasst am: Mi Dez 31, 2008 6:18 am Titel: Hallervorden betreibt künftig das Schlosspark-Theater
Gehört, gelesen, zitiert
Dieter Hallervorden betreibt künftig das Schlosspark-Theater in Berlin!
Dienstag, 9. Dezember 2008 13:54.Von Stefan Kirschner
Dieter Hallervorden hat sich durchgesetzt: Der Schauspieler und Kabarettist übernimmt offenbar das Schlosspark-Theater in Steglitz. Der letzte Betreiber hatte das Theater aus Kostengründen rasch wieder aufgegeben – Hallervorden aber will sogar ohne öffentliche Subventionen erfolgreich sein.
Dieter Hallervorden übernimmt das Schlosspark-Theater in Steglitz. Der Schauspieler und Kabarettist ist bereits mit den "Wühlmäusen" erfolgreich
Jetzt ist es amtlich: Dieter Hallervorden übernimmt das Schlosspark-Theater in Steglitz. Die Nachricht überrascht nicht wirklich, denn der Gründer des Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“ verhandelt bereits seit einem halben Jahr mit der Senatskulturverwaltung. Er war als letzter von drei Bewerbern übrig geblieben. Am Mittwoch schließlich wollen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Dieter Hallorden „die Vereinbarung zwischen dem Land Berlin und der Halliwood Filmgesellschaft mbH zum neuen Spielbetrieb des Schlosspark-Theaters“ vorstellen, wie es in der versendeten Einladung heißt.
Wiedereröffnung im September 2009
Mit Verweis auf die Pressekonferenz wollte sich die Senatskulturverwaltung nicht weiter zu dem Vertrag mit dem künftigen Intendanten äußern – und auch Hallervorden zog es vor, zu schweigen. Im Vorfeld hatte er allerdings angekündigt, dass zur Zeit leerstehende Schlosspark-Theater ab September 2009 zu bespielen. Nicht als „Wühlmäuse“-Ableger, sondern mit anspruchsvollem Sprechtheater. Gegenüber Morgenpost Online kündigte der 73-Jährige Ende Oktober dieses Jahres an, dass er sich auch vorstellen könne, selbst mal wieder Theater zu spielen. „In erster Linie sehe ich jedoch meine Aufgabe darin, den Spielplan zu gestalten, interessante Regisseure für die Arbeit zu begeistern und mit prominenten Besetzungen die Zuschauer wieder ans Schlosspark–Theater heranzuführen“, betonte Hallervorden seinerzeit.
Ein Streitpunkt in den Verhandlungen mit der Verwaltung dürften die Sanierungskosten gewesen sein. Es ist ja schon ein regelrechtes Ritual, dass designierte Theaterbetreiber erst mal ganz lang und laut darüber klagen, in welch schlechtem Zustand der künftig zu bespielende Musentempel ist. Dann wird gern auf abmontierte Scheinwerfer, einen farblich falsch gestrichenen Saal, sanierungsbedürftige sanitäre Anlagen oder durch gesessene Stühle hingewiesen. Die Gegenseite holt einen Gutachter dazu, dann wird wieder verhandelt und zum Schluss einigen sich Vermieter und Mieter auf eine Summe.
Dass es auch im Falle des Schlosspark-Theaters einen Sanierungskostenzuschuss geben wird, davon kann man ausgehen. Schließlich soll Hallervorden gewissermaßen im Gegenzug auf eine dauerhafte Zuwendung für den Spielbetrieb verzichtet haben – zumindest für die erste Zeit. Was ihn sicherlich nicht davon abhalten wird, Förderanträge zu stellen.
Da gibt es zwischen Lotto-Stiftung, Hauptstadtkulturfonds oder der Spielstättenförderung vielfältige Möglichkeiten. Und bei vielen Anträgen entscheidet der Regierende mit.
5000 Euro Miete im Monat für das Haus
Dass es einen festen Zuschuss im Rahmen des Kulturetats gibt, also einen eigenen Haushaltsposten (das Ziel jeder Kultureinrichtung, weil damit gemeinhin mehr Sicherheit verbunden ist), verbietet sich möglicherweise auch aus juristischen Gründen. Denn der vorletzte Betreiber des Schlosspark-Theaters, Heribert Sasse, musste die Bühne Anfang dieses Jahrzehnts schließen, nachdem der Senat die Zuschüsse gestrichen hatte. Es gab einen langwierigen Prozess. Von der Entscheidung des damaligen Kultursenators Thomas Flierl war auch das Hansa-Theater betroffen, das mittlerweile unter dem Namen Engelbrot privat betrieben wird.
Eine andere Möglichkeit des Entgegenkommens besteht in der Höhe der Miete. Der momentane Pächter des Schlosspark-Theaters, der Musical-Konzern Stage Entertainment, soll dem Vernehmen nach 5000 Euro im Monat für das Haus zahlen. Zwar hat die Stage vor zweieinhalb Jahren den regulären Spielbetrieb eingestellt, aber der fünfjährige Pachtvertrag läuft noch bis zum Sommer 2009.
Zwischenspiel als Musical-Bühne
Der Regisseur und Schauspieler Andreas Gergen hatte im Herbst 2004 das Schlosspark-Theater mit dem schrägen Off-Broadway-Musical „Pinkelstadt“ eröffnet. Seine Inszenierung war ein Erfolg. Die Bühne sollte zu einer Art Kreativlabor für den Hamburger Konzern werden. Dass mit dem für Musical-Produktionen relativ kleinen Schlosspark-Theater kein großes Geld zu verdienen ist, dürfte den Verantwortlichen in Hamburg von vornherein klar gewesen sein. Aber der Geldhahn wurde Gergen schneller zugedreht als der Regisseur gedacht hatte. Nicht einmal zwei Jahre dauerte das Experiment im Südwesten Berlins.
Gergen wechselte in die Zentrale nach Hamburg, verließ aber Ende vergangenen Jahres den Konzern. Zuvor hat er noch an der Entwicklung des Udo-Jürgens-Musicals „Ich war noch niemals in New York“ mitgearbeitet und auch an „Der Schuh des Manitu“, dessen Uraufführung vorgestern im Theater des Westens über die Bühne ging.
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.