Verfasst am: Mi Jun 21, 2006 3:27 am Titel: Zu guter Letzt: Peymann zum Handke-Boykott
Peymann zum Handke-Boykott durch die Comédie Française
Stellvertretend für die vielen Proteste von Künstlern gegen die Absetzung eines Handke-Stückes an der Comédie Francaise die Erklärung von Claus Peymann:
"Eine Aufführung von Peter Handkes Stück SPIEL VOM FRAGEN ODER DIE REISE INS SONORE LAND, das in der Pariser Comédie Française geplant war, wurde mit der Begründung abgesagt, eine Aufführung dieses Stückes verhöhne die Opfer des Serbienkrieges.
Besonders absurd ist, dass ausgerechnet dieses Stück Peter Handkes boykottiert wird, das wie kaum ein anderes von tiefster Humanität geprägt ist. Es ruft dazu auf, dass Menschen sich wieder unkriegerisch aufeinander zubewegen sollen. Ein Manifest der Gewaltlosigkeit.
Ausgelöst wurde diese Entscheidung durch die Teilnahme Peter Handkes an den Beisetzungsfeierlichkeiten von Milosevic in Belgrad.
Dass ausgerechnet in jenem europäischen Land, das für die Freiheit des Geistes viele Jahre lang Vorbild und Vorkämpfer war, an seinem Nationaltheater dieser einmalige Fall kultureller Zensur als eine Art Subordinationsübung vorgeführt wird, ist schockierend.
Ich fordere meine Kollegen, die Schauspieler, Regisseure und alle Künstler der Comédie Française auf, sich für eine Aufführung von Peter Handkes Stück an ihrem Theater einzusetzen.
Leider erlauben es unsere finanziellen Mittel nicht - ganz abgesehen von der Absurdität, eine französischsprachige Aufführung ausgerechnet in Berlin herauszubringen - Peter Handkes "Voyage au pays sonore ou l'art de la question" einzuladen. Sonst würde ich meinen Kollegen unser schönes Berliner Ensemble als freies Forum anbieten.
Auch wenn der Vergleich gewagt ist: Niemand wäre auch nur auf den Gedanken gekommen, die Stücke von Jean-Paul Sartre zu boykottieren, nachdem der französische Nobelpreisträger für Literatur im November 1974 - demonstrativ - den in Stuttgart einsitzenden deutschen Terroristen Andreas Baader besucht hatte.
Es war Charles de Gaulle, der, als er im Mai 1968 aufgefordert worden war, Jean Paul Sartre vor Gericht zu stellen und einzukerkern, den inzwischen klassisch gewordenen Satz prägte: "Einen Voltaire verhaftet man nicht".
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