Verfasst am: Sa Jun 17, 2006 4:35 am Titel: Uwe Michael Wiebking auf Tournee...
Uwe Michael Wiebking auf Tournee mit Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt
Nach der erfolgreichen Premiere am 23. September 2006, 20.00 Uhr, im Forum Reinbek, sind Die Physiker nun bis einschließlich 28.November 2006 quer durch die Bundesrepublik Deutschland, Österreich und die Schweiz unterwegs.
Die Physiker 1956 erschien von Robert Jungk das Buch Heller als tausend Sonnen, das sich mit dem Schicksal der Atomforscher befasste. Dürrenmatt verfasste 1957 eine Rezension dieses Buchs für Die Weltwoche und baute seine Gedanken später in Die Physiker ein.
Die Physiker ist eine groteske Tragikomödie des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt. Darin weist der Autor schon 1962 daraufhin, dass uneingeschränkte Forschung auch Gefahren birgt. Die gesamte Handlung, bestehend aus zwei Akten, spielt in einem Irrenhaus für gesellschaftlich besser gestellte Menschen. Dabei symbolisieren die verschiedenen Insassen und das Personal die damaligen Machtblöcke des Kalten Krieges.
Kurzfassung des Inhalts
Das Theaterstück handelt von drei Patienten: Newton (Hanno Wingler), Einstein (Uwe Michael Wiebking) und Möbius (Ulrich von Bock) . Johann Wilhelm Möbius ist ein Physiker, der Formeln (Weltformel) entdeckt hat, die in falschen Händen die Welt vernichten könnten. Newton und Einstein sind die Decknamen von Spionen, die Möbius dazu bewegen wollen, sich der jeweiligen Macht (USA und Sowjetunion) anzuschließen. Alle drei spielen Irre: Möbius, damit seine gefährlichen Formeln als Produkt des Irrsinns abgetan werden; Newton und Einstein, um unentdeckt an Möbius heranzukommen….
(Ein gemeinsames Gespräch beim Abendessen stellt den inneren und äußeren Höhepunkt des Stücks dar)
< Die drei Physiker geben gegenüber ihren Mitbewohnern zu, dass sie nicht wirklich verrückt sind. Newton heißt eigentlich Alec Jasper Kilton, ist der Begründer der Entsprechungslehre und hat sich als Agent (vermutlich der CIA) verpflichtet, genauso Einstein, der in Wirklichkeit Joseph Eisler heißt und den Eisler-Effekt entdeckt hat. Beide sind hinter den Arbeiten von Möbius her, der sich ins Irrenhaus zurückgezogen hat, um ungestört forschen zu können - vergeblich. >
…Jeder der drei erdrosselt eine Krankenschwester (Ute Laupert, Sarah Frankfurt), die er liebte, um sein jeweiliges Geheimnis zu bewahren. Als deshalb die Polizei eintrifft(Claus Stahnke), vernichtet Möbius seine Formeln. Fräulein von Zahnd (Johanna Liebeneiner), die Besitzerin und Chefarztin des Irrenhauses, gleichzeitig auch die einzige wirkliche Irre, hat jedoch sämtliche Aufzeichnungen bereits zuvor kopiert (wobei sie im Auftrag König Salomos zu handeln glaubt) und will nun die Weltherrschaft an sich reißen. Sie hat auch den Physikern die Krankenschwestern auf den Hals gehetzt um sie vor der ganzen Welt als unglaubwürdig dastehen zu lassen.
In weiteren Rollen: Reinhard Horras, Isabelle Carlson, Uwe Thielen, Kay Metzler, Rimbert Spielvogel, Eugen Breite, Norbert Joest und Max Stahnke.
Das Stück kann als Frage nach der Ethik in der Wissenschaft verstanden werden und greift ferner die Problematik auf, dass einmal Gedachtes oder Entdecktes nicht rückgängig gemacht werden kann. Wichtig ist das Verständnis: Wissenschaft gerät immer in die falschen Hände und hier setzt Dürrenmatts Dramentheorie ein:
"Die schlimmstmögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie". Über die Probleme der modernen Gesellschaft könne man sich seiner Meinung nach nur noch lustig machen - da das Sterben zur Massenerscheinung geworden sei, wäre die Tragödie nicht mehr interessant.
"Nur im Irrenhaus sind wir noch frei. In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff..."
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